Pilgerfahrt (Hadsch oder Wallfahrt)

Der Besuch des Hauses Gottes, der Großen Moschee zu Mekka mit der Kaaba, ist allen Gläubigen zur Pflicht gemacht. Voraussetzung ist, dass derjenige, der sich auf die Reise begibt, gesund und in der Lage ist, für die Zeit seiner Abwesenheit seine Familie oder Angehörigen ausreichend zu versorgen.
Der Islam kennt zwei Formen der Wallfahrt nach Mekka:

  • die kleine Pilgerfahrt (hadsch el-asghar oder ‘umra); sie kann zu jeder Jahreszeit unternommen werden;
  • die große Pilgerfahrt (hadsch el-akbar) im Pilgermonat des islamischen Kalenderjahres.

Die Männer legen zwei ungesäumte weiße Tücher (ihram) an; die Frauen tragen während der Pilgerfahrt ihre normale Kleidung, die allerdings von einfacher Ausführung sein soll. Es darf weder Lippenstift noch Parfüm benutzt werden. Von diesem Augenblick der Weihe (Ihram) an muss sich der Pilger aller weltlichen Genüsse und auch des geschlechtlichen Umgangs, enthalten. Die Jagd ist verboten. Es darf kein Blut vergossen, kein Leben vernichtet werden. Alle Kulthandlungen sollen in äußerster Ruhe und Frieden, ohne jeglichen Streit oder Hader durchlebt werden. Die islamische Gemeinde findet ihre Einheit in dem Bewusstsein ihres geographischen Mittelpunktes: in der Wallfahrt zur Kaaba. Die Pilgerfahrt führt die Muslime an den Stätten zusammen, an denen die Propheten Abraham und Ismail lebten und Gott dienten, von denen Mohammed ausging, um den Islam aller Welt zu verkünden. Sie vermittelt das große und einschneidende Erlebnis einer islamischen Bruderschaft, die bei aller Verschiedenheit der Sprache und Nationalität keine Rassenschranken kennt und den Gegensatz von Arm und Reich im Angesicht Gottes aufhebt. Höhepunkt der Pilgerfahrt ist das islamische Opferfest (‘id al-Adha oder türk. Kurban Bayram). Es wird gefeiert zum Gedenken an den Gehorsam Abrahams, der bereit war, in seiner Liebe zu Gott das Liebste auf Erden – seinen erstgeborenen Sohn mit dessen Wissen und Einverständnis – zu opfern. Daran erinnert in jedem Jahr in Mina (einem Ort in der Nahe von Mekka) die Schlachtung der Opfertiere. Jedoch sagt der Qur’an in Sure 22, 38:
»Nicht ihr Fleisch (das der Opfertiere) erreicht Gott, noch ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht.«
Der Muslim erlebt in Mekka die Erfüllung des Qur’anverses:

###
»Alle Gläubigen sind Brüder.« (Sure 49, 11)

zu dessen Bestätigung auch das folgende Ritual gehört:
Mohammed hatte in jungen Jahren einmal den in die Mauer der Kaaba eingelassenen »schwarzen Stein« in Ehrfurcht geküsst. Nun berühren ihn die Pilger mit ihren Lippen und empfangen auf diese Weise von ihm symbolisch den Bruderkuss des Propheten. Der Islam, das demonstriert das Ereignis von Mekka jedes Jahr erneut, kennt – wie gesagt – keinen wie auch immer georteten Rassismus. In Sure 30, 23 werden die Sprach- und Rassenunterschiede gar als Wunderzeichen Gottes hervorgehoben, wenn es dort heißt:
»Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und (Haut)Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Einsichtigen.«
Und ein Hadith des Propheten verkündet, dass ein Araber einen Fremden und ein Weißer einen Schwarzen nur durch den Grad seiner Frömmigkeit zu überragen vermag, dass Gott seine Gnade und Offenbarung allen Völkern und Rassen geschenkt hat.
Im Qur’an offenbart Gott über die Pilgerfahrt:
»Und bedenke wie Wir Abraham die Stätte des Hauses bestimmten (und sprachen): ‘Du darfst mir keinen Partner zur Seite setzen. Halte Mein Haus rein für diejenigen, die es umwandeln und die stehen und sich beugen und niederfallen (im Gebet).’ und verkünde den Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu Fuß, auf vielerlei Kamelen, auf allen Wegen von nah und fern, auf dass sie einen Nutzen daraus ziehen mögen und des Namens Gottes gedenken während der bestimmten Tage für das, was Er ihnen an Vieh gegeben hat. Darum esset davon und speiset den Notleidenden, den Bedürftigen. Dann sollen sie ihrer persönlichen Reinigung obliegen und ihre Eide erfüllen und um das Ehrwürdige Haus wandeln.« (Sure 22, 27-30)
In Sure 2, 126-130 schließlich wird das Gebet Abrahams und Ismails überliefert.
Zunächst in Vers 126:
»Und (gedenket der Zeit) da Wir das Haus zu einem sicheren Versammlungsort für die Menschheit machten: ‘Nehmt die Stätte Abrahams als Bethaus an.’ Und Wir geboten Abraham und Ismail: ‘Reinigt Mein Haus für die, die (es) umwandeln, und die in Andacht verweilen und die sich beugen und niederfallen (im Gebet).«
Es folgen die Abschnitte, in denen das Gebet enthalten ist:
“Und (denket daran) als Abraham sprach: ‘Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stadt des Friedens und versorge mit Früchten die unter ihren Bewohnern, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben.’ Da sprach Er: ‘Und auch dem, der nicht glaubt, will Ich einstweilen Wohltaten erweisen; dann will Ich ihn in die Pein des Feuers treiben und das ist eine üble Bestimmung.’ Und (gedenket der Zeit) da Abraham und Ismail die Grundmauern des Hauses errichteten (indem sie beteten): ‘Unser Herr, nimm (dies) von uns an; denn Du bist der Allhörende, der Allwissende. Unser Herr, mache uns beide Dir ergeben und (mache) aus unserer Nachkommenschaft eine Schar, die Dir ergeben ist. Und weise uns unsere Wege der Verehrung, und kehre Dich gnädig zu uns; denn Du bist der oft gnädig Sich Wendende, der Barmherzige. Unser Herr, erwecke unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte, der ihnen Deine Zeichen verkünde und sie das Buch und die Weisheit lehre und sie reinige; gewiss, Du bist der Allmächtige, der Allweise.

Der Gottesdienstbegriff im Islam

»Gottesdienst ist ein Begriff, der alles umfasst, was Gott an Aussagen und Handlungen einer Person liebt.« Mit anderen Worten: Gottesdienst ist alles, was man sagt oder tut nach Allahs Wohlgefallen. Dies umfasst natürlich sowohl Rituale als auch Glauben, soziale Handlungen und persönliche Beiträge zum Wohl der Mitmenschen.«
Der Islam betrachtet den Menschen als Ganzes. Er befiehlt dem Einzelnen, sich Allah vollkommen zu unterwerfen, wie Allah im Qur’an den Propheten Mohammed (a.s.) anweist:
Sprich (oh Mohammed): »Siehe, mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Erhalter der Welten. Er hat keinen Gefährten, wie mir befohlen (es zu bekennen). Und ich bin der erste der Sich-Gott-ergebenden (der Muslime).« (Sure 6, 162)
Das natürliche Ergebnis dieser Unterwerfung ist, dass alle Handlungen eines Menschen mit den Anweisungen von demjenigen, dem der Mensch unterworfen ist, übereinstimmen. Da der Islam eine Lebensweise ist, verlangt er von seinen Gläubigen, dass sie ihr Leben in jeder Hinsicht, sei es in religiöser oder in irgendeiner anderen Hinsicht, gemäß seinen Lehren gestalten. Tatsache ist, dass der Islam nicht viel von bloßen Ritualen hält, wenn sie mechanisch verrichtet werden und keinen Einfluss auf das innere Leben des Menschen haben.
»Nicht besteht die Rechtschaffenheit darin, dass ihr eure Gesichter (beim Gebet) gen Osten oder Westen kehrt, vielmehr ist rechtschaffen, wer glaubt an Gott und den Jüngsten Tag und die Engel und das Buch und die Propheten, und wer das Vermögen trotz seiner Liebe (zu ihm) gibt den Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen und dem Sohn des Weges (dem Reisenden, der über sein eigenes Vermögen nicht verfügt) und denen, die aus Not um Hilfe bitten, und für die Befreiung von Gefangenen und Sklaven; und wer das Gebet verrichtet und Zakat zahlt. (Fromm sind) diejenigen, welche die Verträge, die sie abgeschlossen haben, auch halten und standhaft sind in Leid, Not und Drangsal; solche sind es, die fromm sind, und solche sind die Gottesfürchtigen.« (Sure 2, 177)
Als einer der Grundpfeiler des Islam betont er eine einzigartige Einheit der Muslime auf der ganzen Erde, indem er alle Unterschiede aufhebt. Muslime aus allen Gegenden der Erde, die gleiche Kleidung tragend, antworten dem Ruf der Hadsch in einer Stimme und Sprache: »Labbaik Allahumma Labbaik« (Hier bin ich zu Deinen Diensten Oh Allah, Deinem Ruf folgend). Die Hadsch ist eine Übung strenger Selbstbeherrschung und Kontrolle, wobei nicht nur die Vorschriften des Verlaufs der Pilgerfahrt befolgt werden, sondern sogar das Leben von Pflanzen und Vögeln unverletzlich wird, sodass alles in Sicherheit lebt:
»So (sei es). Wer Allahs Gebäude ehrt, der beweist Herzensfrömmigkeit. So (sei es). Und wer Allahs Gebote ehrt, dem wird es gut ergehen bei seinem Herrn.« (Sure 22, 32-33)

 

Die Pilgerfahrt gibt allen Muslimen der Erde die Gelegenheit, sich jährlich in einer großen Versammlung zu treffen. Zeit und Ort dieser Zusammenkunft wurden von dem einen Gott, dem erhabenen Schöpfer, festgesetzt. Die Einladung für die Teilnahme gilt für jeden Muslim. Niemand hat die Macht, irgendjemanden zurückzuweisen. Jedem teilnehmendem Muslim ist volle Sicherheit und Freiheit garantiert, solange nicht er selbst diese Sicherheit verletzt. So bildet der Gottesdienst im Islam, ob rituell oder nicht rituell, den Menschen auf eine solche Art aus, dass er seinen Schöpfer liebt und dabei einen unnachgiebigen Willen und Geist gewinnt, um alles Übel und Unterdrückung der menschlichen Gesellschaft zu beseitigen, und Gottes Wort als das einzig gültige für alle Belange des menschlichen Daseins auf Erden zu machen.
Die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka, die Hadsch, ist für diejenigen eine bindende Verpflichtung, die dazu körperlich und finanziell in der Lage sind. Die Pilgerfahrt muss nur einmal im Leben unternommen werden, doch wird sie von den gläubigen hochgeschätzt und so oft wie möglich durchgeführt. Die Muslime aus aller Weit, verschiedener Nationalität, ethnischer Abstammung, Hautfarbe und Sprache, versammeln sich in Mekka im Geist der Anbetung, und Zuwendung zu Gott. Sie vollziehen die besonders vorgeschriebenen religiösen Andachtsübungen vom achten bis zum dreizehnten Tag des Monats Dhul-hiddscha, des letzten Monats im islamischen Kalender. Die Versammlung der Muslime dient auch zum Verständnis der Einheit, Brüderlichkeit und Gleichheit der Gläubigen. Pilger aller Hautfarben, ob reich oder arm, gebildet oder ungebildet, stark oder schwach, Herrscher oder Untertan umhüllen sich mit den gleichen ungesäumten Tüchern (Ihram) und vollziehen die gleichen religiösen Riten stehend und sich verneigend, Schulter an Schulter.
Die Pilgerfahrt stellt zugleich eine alljährliche internationale Zusammenkunft der Muslime dar, bei welcher Gelegenheit mehrere Millionen von Pilgern sich treffen und aus ihren gegenseitigem Erfahrungen zu lernen. Obwohl Mekka ständig voller Besucher ist, beginnt die eigentliche jährliche Pilgerfahrt im zwölften Monat des islamischen Jahres. Dieses wird nach den Mondphasen berechnet, und nicht nach der Sonne, sodass die Pilgerfahrt, wie auch die Fastenzeit im Monat Ramadan manchmal in den Sommer und manchmal in den Winter fällt. Pilger tragen eine besondere Kleidung: einfache Kleidungsstücke, die die gesellschaftlichen, kulturellen und nationalen Unterschiede aufheben und alle als Gleiche vor Gott erscheinen lassen. Das Opferfest selbst beginnt am zehnten des Monats dhul-hiddscha. An diesem Tag wird Gott das Tieropfer gebracht, welches eines der Bestandteile der Pilgerfahrt ist:
Es wird in Erinnerung an den Propheten Abraham dargebracht, der der Aufforderung seines Herrn Folge leistete, seinen Sohn Ismail zu opfern. Durch dieses Opfer zeigen die Muslime ihre Bereitschaft, sowohl ihr Leben wie ihr Gut für die Sache Gottes hinzugeben. Das Fest dauert vier Tage, mit denen auch die Pilgerfahrt zu Ende geht. Während die Pilger in diesen Tagen einmal drei Felsensäulen als Symbole des Teufels jeweils mit sieben Kieselsteinen bewerfen, beginnen die Muslime in aller Welt, welche an der Pilgerfahrt nicht teilnahmen, den ersten Festtag, den Tag der Opferung mit einem gemeinschaftlichen Gebet nach Sonnenaufgang, das dem Festgebet am ersten Tag des Fastensbrechens gleich ist. Danach wird ein Hammel geopfert. Das Fleisch der Opfertiere wird mit Verwandten, Freunden und Armen geteilt. Dafür sammeln auch alljährlich islamische Hilfsorganisationen Spenden ein. Die restlichen drei Tage sind ebenfalls eine Zeit des Gebets, des Austausches von Glückwünschen und der gegenseitigen Besuche.
Die Riten der Pilgerfahrt gehen auf Abraham zurück und schließen ein: Das siebenmalige Umschreiten der Kaaba, sowie den siebenmaligen Lauf zwischen den beiden Hügeln Ssafa und Marwa, in Anlehnung an die Suche nach Wasser durch Hagar. Danach versammeln sich die Pilger auf der Ebene von Arafat zum gemeinsamen Gebet um Gottesvergebung. Dies wird häufig als eine Art Vorschau auf das Jüngste Gericht angesehen. In früheren Zeiten war die Hadsch ein anstrengendes Unterfangen. Heute versorgen staatliche Stellen die Millionen von Pilgern mit Wasser, modernen Verkehrsmitteln und einem ausgezeichneten Gesundheitsdienst. Die Hadsch endet mit einem Fest, ‘Idul-Adha (Opferfest), das mit Gebeten und denn Austausch von Geschenken überall von den Muslimen begangen wird. Dieses Fest und das Fest ‘Idul-Fitr, am Ende des Fastenmonats Ramadan, sind die Hauptfeste im islamischen Kalender.
Der evangelische Theologie-Professor Paul Schwarzenau schreibt über die Legende über die Kaaba folgendes:
In der Sandsteppe Arabiens liegt die Oasenstadt Mekka mit der Kaaba. Die Kaaba ist ein uraltes Heiligtum der arabischen Stämme. Die Araber erzählen sich von Mekka Geschichten, die an Geschichten aus der Bibel erinnern. Es sind Geschichten von Adam, von Noah und von Abraham.
Mekka, sagen die Araber, ist die älteste heilige Stätte der Welt. Sie geht auf Adam, dem Stammvater der Menschen, zurück. Einst, so berichten sie, wanderte Adam durch das arabische Land. Da kam er an diese Stätte und erblickte dort einen leuchtenden, weißen Stein. Ergriffen blickte Adam auf. Der hellleuchtende Stein erinnerte ihn an die Seele des Menschen, wie Gott sie geschaffen hafte, ehe er, Adam, in Sünde fiel und das Paradies verlassen musste. Er erinnerte ihn an den Glanz Gottes, den er damals schauen durfte, als in seiner Seele das Urwissen noch strahlte, das ihn mit Gott und der ganzen Schöpfung verband. Der Stein erinnerte ihn wieder an seinen Ursprung, und die Erkenntnis leuchtete in Adam auf. »Gott hat mich an diese Stätte geführt und hat mir diesen Stein gezeigt, damit ich die Erinnerung wiedergewinne. Ich, meine Kinder und Kindeskinder sollen an die Stätte der Erinnerung kommen, damit wir unseren Ursprung nie vergessen!«
Siebenmal schritt Adam um den leuchtenden Stein herum. Aus erinnernder Seele rief er den Namen Gottes aus. Dann holte er Steine vom Berge Hira und baute aus ihnen ein würfelförmiges Haus um den heiligen Stein. Wegen seiner würfelähnlichen Form heißt das Heiligtum Kaaba (= Würfel). Jedermann soll zu ihm wandern, sagen die Araber. Er soll es umschreiten und dabei den Namen Gottes anrufen. Darum wird es seit der ältesten Zeit »Haus Gottes« genannt.
Weiter erzählen die Araber: Als die Große Flut die ganze Erde bedeckte, schwamm Noahs Arche siebenmal um die heilige Stätte herum. Die Flut richtete ihr Zerstörungswerk an, aber die Fundamente blieben erhalten. Den heiligen Stein rettete Gabriel, der Engel Gottes. Viertausend Jahre später irrte Hagar, die Stammmutter der Araber, durch die Wüste. Hagar war Saras Magd gewesen. Dann wurde sie Abrahams Nebenfrau. Aber Abraham hatte sie verstoßen. In ihren Armen trug sie das verdurstende Söhnchen Ismail. Dem Tode nahe stürzte sie zu Boden. Verzweifelt rief sie Gott um Hilfe an. Da sprang zu ihren Füßen die Quelle Semsem auf. Ihr Name malt das Rauschen der Quelle. Hagar hörte darin die Hilfe und die Nähe Gottes. Hagar und Ismail ließen sich in dem Tal nieder. Es war das Tal der Kaaba. Das stellte sich aber erst heraus, als Abraham nach dem Tode Hagars seinen Sohn Ismail besuchte. Abraham entdeckte unter den Trümmern das Fundament, das Adam gelegt hatte. »Hier ist das Haus des Einen Gottes«, sagte Abraham, »des Gottes vom Ursprung der Welt und der Menschen, den einmal alle verehrt haben. Wir müssen es wieder aufbauen.« Zusammen mit Ismail stellte Abraham die Kaaba wieder her. Ismail empfing vom Engel Gottes den heiligen Stein zurück, der aber aus Trauer über den Götzendienst in der Weit zum schwarzen Stein geworden war.
Zweitausend Jahre später hatte sich vieles geändert. Ein Nachkomme der Söhne Ismails aus dem Stamm Kuraisch hatte die Stadt Mekka bauen lassen für sich und seinen Stamm. 360 Götterbilder standen nun im Kreis um das Haus Gottes herum. Die Araber beteten zu diesen Göttern, zum Mondgott, zum Sonnengott, zur Fruchtbarkeitsgöttin, zur Schicksalsgöttin, zum Liebesgott, zu den Geistern und den Seelen der Vorfahren.
Die Araber sagten: »Das sind die Söhne und Töchter Gottes. Gott hat sie gezeugt und ihnen die Herrschaft über die Welt gegeben. Er selbst ist weit weg. Erhaben thront er fern von uns und den Göttern in der Höhe. Wir sollen uns an die Götter halten. Die Götter bringen uns Glück. Sie helfen uns, wenn wir ihnen die Opfergaben bringen, Sie sind uns näher als Gott. Sie sind dazu da, dass sie uns helfen.«
Darüber vergaßen sie Gott, den sie aber noch den „Herrn des Hauses« nannten. Nur wenn gewaltige Stürme das Leben bedrohten, wenn übermächtige Feinde über den Stamm oder die Sippe herfielen, dann erinnerten sie sich wieder an Gott und riefen in der äußersten Not seinen Namen an. Dann erinnerten sie sich, dass nur der Herr und Schöpfer des Lebens das Leben retten kann.
In großen Karawanen wanderten die arabischen Stämme Jahr für Jahr im Monat Ramadan zur Kaaba. Im Monat Ramadan herrschte Frieden unter den Stämmen. Alle Fehden zwischen den Stämmen und die Blutrache zwischen den Sippen mussten im Wallfahrtsmonat ruhen. Der Gottesfrieden vereinigte dann die Stämme. Auf sicheren Wegen brachten die Karawanen neben den Opfergeschenken ihre Waren mit. In der Wallfahrtstadt Mekka konnten sie kaufen und verkaufen. Datteln von den Oasen, Weihrauch aus dem Südreich der Könige Saba, Waffen, Getreide und Öl, Stoffe aus Baumwolle, ja sogar Edelsteine und Seide aus Indien und China brachten die Karawanen aus Nord und Süd, West und Ost.
Die Rechnung der Kuraischiten war aufgegangen. Mekka, die Stadt im unfruchtbaren Tal der Steppe, wurde zur reichen Stadt. Araber aus anderen Stämmen ließen sich in Mekka nieder. Auch Fremde, Christen und Juden erwarben das Wohnrecht. Sie alle lebten von den Wallfahrten und dem Karawanenhandel.« (Zitatende)

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.