Hasret Aischa und die Geschichte ihrer Brautwerbung.

  • Hasret Aischa und die Geschichte ihrer Brautwerbung
  • Die Verleumdung (ifk)
  • Die Kamelschlacht (Cemel Vak'asi)
  • Einige Weisheiten, die der Heirat des Propheten mit zwölf Frauen zugrunde liegen
  • Zainab. Die Tochter des Dschahsch

Die Ehrenwerte und Getreue Aischa (Hasret-i Aischa-i Siddika), die Mutter der Gläubigen, mit der Gott zufrieden sein möge.

 

Aischas Bild

Von der Ehrenwerten Mutter Aischa wird, einer ehrwürdigen Überlieferung (Hadith) entsprechend berichtet: "Der Ehrenwerte Erzengel Gabriel hat einmal dem Propheten Aischas Bild auf Seide gemalt gezeigt und dazu gesagt: Im Diesseits wie im Jenseits soll diese deine Braut sein."

Humeyra

So war der Prophet mit einer ganz besonderen Liebe Aischa zugeneigt. Er gab ihr auch einen Kosenamen und sagte zu den Frauen, sie sollten sich in allen Fragen, die sie betreffen, an seine "Humeyra" wenden. Der Prophet war nach dem Tode seiner ersten Frau (Khadidscha) als Witwer nach Medina gekommen, hatte dort Aischa geheiratet und sie hatte ihn danach in all seinen Schlachten und Kämpfen in der Nachhut begleitet und sich zusammen mit den Frauen seiner Gefährten (Sahabis) um die Kranken und Verwundeten gekümmert. Auch während der Schlacht am Berg Uhud begleitete sie ihn und trug auf ihrem Rücken Wasser und Proviant für ihn und seine Kampfgefährten herbei. Sie hatte sogar damals, als der Prophet am Uhud von einem Steinwurf getroffen wurde und im Gesicht verwundet worden war, ein wenig Stroh einer Matte verbrand und mit der Asche seine blutende Wunde gestillt.

Allgemein anerkannte Theologin

In den sieben Jahren ihrer Ehe mit dem Propheten nun selbst zu einer allgemein anerkannten Theologin geworden, kümmerte sie sich in den letzten vierzig Jahren ihres Lebens, nun bereits verwitwet, auch weiterhin besonders um die Frauen und erließ für sie in den entsprechenden Frauenfragen eigene Gesetze (fetwa). Sie starb 676 in Medina. Abu Hureyra, einer der Sahabis sprach über sie die Totengebete. Sie wurde ihrem letzten Wunsch entsprechend auf dem Friedhof "El-Baqi (der Ewige Gott)" bei Medina beigesetzt. Möge Gott der Gerechte (Dschenab-i Haqq) Sein überreiches Erbarmen über ihr ausgießen und auch uns Sündern auf ihre Fürsprache hin Sein Wohlwollen zuwenden! Amen.

Ihre Frömmigkeit

Als sie noch klein war, wurde Aischa von ihrem Vater unterrichtet. So konnte sie bereits im zarten Alter lesen und schreiben, weshalb die Leute schon in ihren jungen Jahren auf ihr großes Talent und ihren Scharfsinn aufmerksam wurden. Was sie gelernt hatte, vergaß sie nicht wieder. Sie konnte es auswendig wiederholen, weil sie ein so gutes Gedächtnis hatte. Sie war eine intelligente Frau von scharfem Verstand, hoher Gelehrsamkeit und dichterischer Begabung. Bei all ihrer Wohlerzogenheit und einem guten Charakter konnte sie sich sehr gut durchsetzen. Die Sahabis konnten sich auf ihren edlen Charakter und ihr untrügliches Gedächtnis verlassen. Und weil sie selbst im Koran erwähnt wird kamen sie häufig zu ihr, um sie zu befragen und von ihr zu lernen. Was sie von dem Propheten gehört hatte, gab sie während der Regierungszeit seiner Nachfolger, der Kalifen Abu Bekir, Omar und Osman weiter und lehrte es sie. Sie war freigiebig und barmherzig und fastete häufig. Ihre Frömmigkeit war tief und innig, sie betete regelmäßig und stets auch in der Nacht (Tahaddschud).

Begründerin der islamischen Rechtswissenschaften

Hasret Aischa war auch absolut unbestechlich in der Rechtsprechung und besaß genügend Weisheit und Einsicht, Schlussfolgerungen ziehen und sich eine eigene Meinung bilden zu können. So gilt sie als die Begründerin der islamischen Rechtswissenschaften (ilm-i fikh). Darum zählt sie, den Kirchenvätern der christlichen Antike vergleichbar, zu den sieben in allen Fragen islamischen Rechts maßgeblichen Gelehrten. Damit hat sie der islamischen Wissenschaft einen bedeutenden Dienst erwiesen, denn nach Meinung aller islamischen Gelehrten ist etwa ein Viertel der von ihnen angewandten Rechts- und Glaubenslehre auf sie zurückzuführen. So sagte z.B. Ebû Mûsa el-Esch'ârî: "Wir haben sie stets in allen schwierigen Rechtsfragen konsultiert."

Abû Seleme bin Abdurrahman bin Auf sagte: "Ich habe noch nie einen gefunden, der den Propheten in all seinen Worten und Taten besser gekannt, sich in alle die vielen religiösen Fragen eingehender vertieft hätte, mit den Versen des Korans (Ayat) inniger vertraut gewesen wäre, ihre Entstehungsgeschichte besser hätte erzählen können und alle Gebote und Verbote des islamischen Glaubens besser beherrscht hätte als Hasret Aischa."

Und von Imam Suhri wird überliefert: "Wäre es möglich, alles Wissen der übrigen Frauen des Propheten, ja überhaupt alles Wissen seiner Zeit zusammenzutragen, es würde dennoch das Wissen von Hasret Aischa noch schwerer wiegen."

Atâ ibn Ebî Rebâh sagt: "Hasret Aischa war unter allen, die den Propheten noch gekannt hatten, diejenige, welche die islamischen Lebensregeln am besten kannte und am besten zur islamischen Meinungsbildung beitragen konnte."

Mesruk, bereits ein Nachfolger der Sahabis, sagte: "Ich schwöre bei Gott, dass auch die vornehmsten unter den ehrenwerten Sahabis stets wieder zu Hasret Aischa kamen, um sich von ihr über die islamischen Lebensregeln unterrichten zu lassen."

2210 Hadithe

Von Hasret Aischa sind uns 2210 Hadithe des Propheten überliefert. Sehr viele davon wurden später von den Sahabis gesammelt, aufgeschrieben und von deren Nachfolgern (den Tabiinen) weiter überliefert. Bücher mit als zuverlässig anerkannten Hadithen sind voll von solchen Überlieferungen.

Ahmet bin Hanbel behandelt diese von Hasret Aischa überlieferten Hadithe ausführlich in seinem Buch, das man "Die Quelle (Musned)" nennt.

Einige der Hadithe, die von Hasret Aischa überliefert worden sind.

"Oh Aischa, Gott behandelt alle Seine Diener mit Güte. Denn Er liebt alle die, welche ihr Leben in Güte gestalten."

"Der Prophet weiß den Dienst und die Anbetung (seiner Gefährten) am höchsten zu schätzen, wenn er regelmäßig verrichtet wird, und sei es auch noch so wenig."

"Berauschende Mittel und Getränke sind verboten (haram)."

"Der Ehrenwerte Prophet geruhte zu sagen: Der Erzengel Gabriel ging in seiner Empfehlung, meinem Nachbarn stets alle Ehre zu erweisen so weit, dass ich schon glaubte, er würde mir raten, meinen Nachbarn auch noch als meinen Erben zu bedenken."

Nach dem Tode des Propheten

Der Prophet verbrachte den letzten Tag seines Lebens im Hause Aischas. Als er im Jahre 632 krank wurde, begab er sich in das Haus von Hasret Aischa. Am Montag, den zwölften des Monats "Rabi'u-l'Auwal" lehnte er sein Haupt an die Schulter von Hasret Aischa und gab den Geist auf. Nach dem Tode des Propheten verliehen die Ehrenwerten Sahabis Hasret Aischa den Titel "Mutter der Gläubigen" und erwiesen ihr fortan alle die ihr entsprechenden Ehren. Hasret Aischa hat danach noch etwa vierzig Jahre ihr Leben unter den Sahabis verbracht und ihnen noch viele Hadithe überliefert.

Mohammed der Getreue

Der Prophet wurde schon "Der Getreue (el-Emin)" genannt, als er noch ein Kind war. Die Ehrenwerten Mekkaner akzeptierten ihn sogar in ihrer "Hilfu'l-fudul" genannten Vereinigung (eine Art Vereinigung für Recht und Wohlfahrt), obwohl er keineswegs wohlhabend war. Unser Prophet lenkte bereits im Kindesalter durch sein ungewöhnlich gutes Benehmen aller Aufmerksamkeit auf sich und alle fragten sich: "Woher hat denn bloß dieses arme Waisenkind eine derart vornehme Haltung?!"

Er verpaßt eine Hochzeit.

Der Prophet war an und für sich ein durchaus zuverlässiger, gescheiter und gut aussehender junger Mann. So wie der Koran uns berichtet, hat Gott der Gerechte ihn vor allem Übel in dieser Zeit der Unwissenheit beschützt. Er war sogar einmal, als er noch ein Hirtenjunge war, zu einer Hochzeit eingeladen. Also überließ er seine Herde einem anderen Hirten und machte sich auf den Weg. Ein wenig später wurde er plötzlich müde, bettete sein Haupt auf einen Stein und wollte nur ein wenig ruhen. Doch er schlief bis in den nächsten Morgen. Dadurch verpaßte er die Hochzeit. Auf diese Weise schützte ihn Gott auch dieses Mal vor einem drohenden Übel.

Der Schwarze Stein

Die arabischen Stammesfürsten stritten sich, wer den Schwarzen Stein in dem für ihn bestimmten Bau (die Kaba) einsetzen sollte. Denn das war für alle zwölf Fürsten der Kureysch eine besonders hohe Ehre. Also beschlossen sie, dass der nächste, der vorbei käme, entscheiden solle. Da kam ein erst zwölfjähriger Knabe des Weges. Es war Mohammed Emin. Also baten sie ihn, zu entscheiden. Daraufhin nahm er seinen Turban ab, legte den Schwarzen Stein darauf und forderte die zwölf Fürsten auf, das Tuch hochzuheben. Alle waren darüber sehr erstaunt und akzeptierten diese Lösung. Dann hoben sie das Tuch auf, trugen es zu der Mauer und Mohammed Emin legte den Stein an den dafür vorbereiteten Platz.

Die erste Offenbarung

Der Ehrenwerte Prophet war von der ersten Offenbarung, die an ihn erging, zutiefst erschüttert. "Oh Hatidscha!", rief er aus, "Ich sehe ein großes Licht. Auch höre ich Stimmen." Dabei zitterte er so sehr, dass er Hatidscha die Große, seine Frau, darum bat, ihn mit einer Decke zuzudecken.

Attraktives Angebot

In einer späteren Offenbarung warnte ihn Gott der Gerechte und sagte zu ihm: "Wenn du von dem, was ich dir offenbart habe, aus Furcht vor den Menschen, oder um ihnen ein Angebot zu machen, etwas verheimlichst oder veränderst, werde ich dir deine Halsschlagader herausreißen." Deshalb wiederholte der Ehrenwerte Prophet die Verse (Ayat), die auf ihn herabkamen, immer wieder, um sie nicht zu vergessen. In einer solchen Ayah heißt es dazu: "Wir haben dir den Koran herabgesandt und wir werden ihn auch bewahren." Auf diese Weise versicherte Er ihm, dass er sich um die Bewahrung der heiligen Texte nie eine Sorge zu machen brauche. Zugleich kamen seine Verwandten, Fürsten der Kureysch, die ihn doch schon seit seiner Kinderzeit stets hochgeschätzt und bewundert hatten zu ihm. Sie hatten gedacht, er strebe nach Höherem und machten ihm nun ein recht attraktives Angebot. Sie sagten nämlich zu dem Ehrenwerten Gesandten: "Oh Mohammed! Wir werden dir Güter und Vermögen geben, dich zu einem begüterten und vermögenden Menschen machen. Wir wollen dir auch die Schlüssel zur Kaba übergeben und dir den Vorsitz im Rat der Fürsten einräumen. Du magst dir auch so viele Frauen nehmen wie du willst. Nur lasst uns miteinander handelseinig werden. Und lehne dich, bitte, nicht weiter gegen unsere Götter (alihah) auf!" Doch der Ehrenwerte Prophet fürchtete nur Gott allein (Allah) und sonst nichts und niemanden auf der Welt und antwortete deshalb: "Selbst wolltet ihr mir den Mond in die eine und die Sonne in die andere Hand geben, so würde ich doch niemals von Gottes Gebot und Auftrag lassen."

Ablehnende Haltung

Nun versuchten sie ihn für verrückt zu erklären oder meinten, er sei ein Dichter geworden und die Geister (Dschinn) sprächen nun aus ihm. Doch er verharrte weiter in seiner ablehnenden Haltung. Da antwortete Gott ihm mit der folgenden Offenbarung:

"Laßt doch durch einen einfachen, ungebildeten Menschen (d.h. einen Analphabeten) wie Mohammed, den Zuverlässigen, ein Buch verfassen, das diesem Koran gleicht, und zeigt es vor! Doch ach, ihr könnt es nicht! Wenn es also kein einfacher, ungebildeter Mann ist, dann soll es ein großer Gelehrter sein und ein Dichter! Doch ach, auch ihn könnt ihr nicht herbeibringen! So soll es denn nicht ein einziger Mann sein! Versammelt also eure sämtlichen Gelehrten und alle eure Dichter, sie sollen einander helfen! Und auch eure Götter, auf die ihr vertraut, mögen euch beistehen! Doch ach, auch mit ihrer Hilfe könnt ihr es nicht zustande bringen! So greift denn auf die Dichtungen der Alten zurück! Ruft auch diejenigen künftiger Zeiten noch zu Hilfe und zeigt uns ein Buch gleich diesem Koran, bringt doch ein solches hervor! Ach, ihr werdet auch das nicht zuwege bringen! Wenn es denn nicht der ganze Koran sein soll, so bringt doch nur zehn Suren herbei, die ihm gleichen! Ach, auch das, was auch nur zehn Suren in Wert und Wahrheit gliche, vermögt ihr nicht herbeizuschaffen! Auf denn! Erfindet eine Erzählung! Schreibt irgendeine Geschichte! Sie sollte ihnen nur an Schönheit und Ausdruckskraft gleichen. Doch ach, auch das könnt ihr ja nicht! Also ahmt doch nur eine einzige Sure nach! Doch ach, eine lange Sure kann es nicht sein! So bringt denn etwas, das einer kurzen Sure gleicht! Wenn nicht, dann steht euer Glaube, eurer Leben, euer Hab und Gut auf dem Spiel und eure Familien sind in dieser und in jener Welt in Gefahr." (Vgl. auch Suren 2,23 - 10,38 - 11,13 - 17,89!)

Kampf mit der Feder

So hat denn der Weise Koran in seiner Art, die Menschen mit acht Schritten stufenweise zum Verstummen zu bringen, nicht nur während dreiundzwanzig Jahren, nein, während dreizehn Jahrhunderten alle Menschen und Dschinnen herausgefordert und das tut er auch noch heute. Dagegen haben Ungläubige in vergangenen Zeiten Hab und Gut und ihre ganze Familie in Gefahr gebracht, den Machtkampf zu ihrem Weg gewählt, welcher der furchtbarste von allen ist. Den kurzen und einfachen Weg des geistigen Widerstandes haben sie dagegen aufgegeben. Das aber bedeutet doch, dass der Weg der Disputationen nicht gangbar ist...

Hätte denn ein Mensch von Verstand, besonders in damaliger Zeit einer von der arabischen Halbinsel, noch dazu einer jener intelligenten Männer aus dem Stamme der Qureysh, jenen kurzen und leichten Weg verlassen, Hab und Gut, Leib und Leben und seine ganze Familie einer Gefahr ausgesetzt und den schwierigsten Weg eingeschlagen, wenn einer der literarisch gebildeten unter ihnen imstande gewesen wäre, etwas hervorzubringen, das auch nur einer einzigen Sure aus dem Koran vergleichbar gewesen wäre, um sie so vor den Angriffen des Korans zu retten?

Zusammenfassung: Der berühmte Dschahis hat das einmal so formuliert: "Da ein Widerstand mit der Feder nicht möglich war, waren sie zu einem Kampf mit dem Schwert gezwungen." (Wunder Mohammeds, Nursi)

Kennzeichen des Prophetentums

Die wesentlichsten Kennzeichen des Prophetentums sind die folgenden fünf: Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Scharfsinn, Geradlinigkeit und der Empfang einer Offenbarung.

Frei von fremden Gedanken

Der Prophet war im Alter von fünfundzwanzig Jahren noch nicht verheiratet, hatte ein hochachtbares und untadeliges Leben geführt und zog sich nun öfter in eine Höhle am Berge Hira zurück, wo er die Zeit im Gebet verbrachte. So reinigte er sich und seine Seele von weltlichen Gedanken und richtete sie geradling auf die künftige Offenbarung aus. Seine Seele musste ganz frei von fremden Gedanken sein, die der Botschaft Gottes hätten störend im Wege stehen können.

Edle Gesinnung

"Es ist ja bekannt, dass ein Gefühl für die eigene Würde, Selbstachtung, Edelmut, ja Stolz, wie sie stets in einer Persönlichkeit von hoher Gesinnung harmonisch zusammenströmen, Taten von niederer Gesinnung nicht zulassen. In der Tat weisen die Engel durch ihre erhabene Gesinnung den Teufel zurück und erkennen ihn nicht an. Desgleichen weist auch die edle Gesinnung einer ausgeglichenen Persönlichkeit alle niederen Gemütszustände und allen Lug und Trug zurück. In der Tat wird eine Persönlichkeit, die ob ihrer Kühnheit berühmt geworden ist, sich nicht mehr so leicht und einfach zu einer Lüge verführen lassen. Wie sollte sich denn auch eine Persönlichkeit, in der sich alle edlen und erhabenen Gefühle beisammen finden, zu Lug und Trug erniedrigen können? Wie denn wäre so etwas möglich?

Kurzum: Hasret Mohammed ist in seiner Person selbst ein Zeugnis, klar wie die Sonne. Bei ihm hat man in gleicher Weise im Alter von vier bis vierzig Jahren (dem Alter, in dem er seine erste Offenbarung empfing) niemals eine Hinterlist oder irgendeine Art von Betrug bemerkt, oder eine Lüge von ihm gehört. Hätte sich in seinem Charakter, in seiner Wesensart irgend eine Neigung, ein Hang zum Bösen, zum Schlechten gefunden, es hätte sich sicherlich bereits in seinen jungen Jahren bei ihm gezeigt. Denn zu all seinen Lebensjahren und in jedem Lebensalter hat er sich stets als geradlinig, harmonisch ausgeglichen, fest und unerschütterlich, ehrlich, ordentlich und anständig erwiesen und selbst seine Feinde konnten niemals irgendein Anzeichen von Betrug an ihm entdecken. Wer (in seinem Leben) die Vierzig überschritten hat, sei es nun im Guten oder im Bösen, dessen Sitten und Gewohnheiten verfestigen sich, sein Geisteszustand wendet sich der Reife des Alters zu und eine innere Wandlung wird mehr und mehr unmöglich. Diese gewaltige Wandlung, die er in sich selbst vorbereitet hatte und die sich im Alter von vierzig Jahren in ihm vollzog, wurde von aller Welt anerkannt und bestätigt. So zog er die Welt an sich und die Welt fühlte sich von ihm angezogen, denn seine Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit vor wie nach (seiner ersten Offenbarung) war bei allen bekannt. Das heißt also, dass die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit dieser Persönlichkeit der höchste Beweis für seinen Anspruch auf das Prophetentum ist." (Ischratu-l'i'dschas, Nursi)

Das Wunder Mohammeds (des Propheten) ist Mohammed selbst (in seiner Persönlichkeit).

Gott selbst in seiner Majestät sagte zu ihm: "Ich habe dich fürwahr mit einem vollkommenen Charakter erschaffen." Seine ganze Gemeinde, selbst seine Feinde mit eingeschlossen, stimmen darin überein, dass sich in ihm alle guten Eigenschaften vereinigten. Noch vor seiner Erwählung zum Prophetentum war er mit dem Beinamen "Mohammed der Getreue" als Sprachrohr aller vollkommenen lobenswerten Sitten bekannt.

Hasret Aischa hatte immer gesagt: "Sein Charakter war der Koran, d.h. er umfasste alle guten Charakterzüge, die uns der Koran aufzeigt.

So steht denn, entsprechend der übereinstimmenden Überzeugung seiner Gemeinde (ummah) unumstößlich fest, dass diese Ehrenwerte Persönlichkeit nach allgemeiner Überlieferung von allen Menschen in seiner innerlichen wie äußerlichen Schönheit der Vollkommenste, Sanftmütigste, Geduldigste, Dankbarste, Frömmste, Bescheidenste, Tugendhafteste, Freigiebigste, Ehrenwerteste, Barmherzigste und Gerechteste war. Er verfügte mehr als jeder andere über eine vornehme Denk- und Handlungsweise, Würde, die stete Bereitschaft, zu vergeben, bedingungslose Liebe und doch dabei über gesunden Menschenverstand und was es auch sonst noch an edlen und vornehmen Charaktereigenschaften gibt und war von all dem (die Verkörperung) eines vollkommenen und lichterfüllten Inhaltsverzeichnisses. Das Wunderbarste in all dem aber war: Alle diese guten Eigenshaften widersprechen sich zwar nicht, doch in ihrer Vollkommenheit beeinträchtigen sie einander. Wo die eine dominant ist, da schwächt sie die andere.

Zum Beispiel:

Vollkommene Sanftmut und kühne Entschlossenheit; äußerste Bescheidenheit und Edelmut; Gerechtigkeit, Erbarmen und Großmut in ihrer edelsten Form; Sparsamkeit und Mäßigkeit einerseits und Großzügigkeit und Gastfreiheit andererseits; ein Gefühl von Würde und der Ausdruck von Züchtigkeit; Gottes große Güte und Sein Heiliger Zorn; Vergebensgesinntheit und Ehrgefühl; blindes Gottvertrauen und eigenes Urteilsvermögen. Dergleichen einander widersprechende Chartaktereigenschaften zu gleicher Zeit und dermaßen ausgeprägt in einer Person zu vereinigen und zu entfalten, ohne dass sie einander stören oder gar einander behindern ist ein Wunder über allen Wundern." (Marifetü-n'Nebi, Nursî)

Der wahre Maßstab

"Man sagt, der wahre Maßstab, zu prüfen, ob Wesen und Wirklichkeit eines Reformers, in welcher Atmosphäre auch immer er erscheinen mag, echt und aufrichtig sind, bestehe darin, die Unterschiede festzustellen, die sich aus den Veränderungen im persönlichen und öffentlichen, körperlichen und seelischen Leben zwischen dem ersten Tage ergeben, an dem er mit seiner Verkündung begonnen hatte, bis zu dem Tage, wo er seine Verbesserungen erfolgreich durchsetzen konnte.

Zum Beispiel:

da ist ein Mann, der ist in den ersten Tagen unaufdringlich, hochherzig, selbstlos, bescheiden, kurz eine makellose Persönlichkeit ersten Ranges, also ein wahres Beispiel von Anstand und Charakter. Sehen wir, ob er, nachdem er mit seinen Bemühungen zum Erfolg gelangt ist und sich die Gefühle, Hoffnungen und Herzen ihm zugewandt haben, sich noch immer seine frühere makellose und beispielhafte Haltung bewahren konnte? Oder glaubt er etwa in seinem Siegestaumel wie so viele, die man als groß ansieht, dass ihm der Raum zwischen Himmel und Erde zu eng geworden sei?

Dies also ist der reinste Spiegel, der das absolut wahre Gesicht irgendeines großen oder kleinen Trägers von Ziel und Aufgabe zurückwirft, Wesen und Wirklichkeit, seine Persönlichkeit und seinen wahren Charakter.

Im Verlauf der Geschichte waren es zunächst die Propheten insbesondere der Fürst aller Propheten, mit dem Friede und Segen sei, unser Herr, sodann seine Nachfolger, die Kalifen und seine Bundesgenossen, die Ssahabis, sodann die großen Persönlichkeiten, die ihrer lichtvollen Spur gefolgt sind, die das königliche Beispiel derer geben, welche die große Prüfung bestanden haben." (Biographie, Ali Ulvi Kurucu)

Den Propheten lieben

"Alle Gläubigen sind durch das Gesetz (ihres Glaubens) gehalten, den Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, über alles zu lieben und zu ehren." (Briefe, Nursi)

Über den Propheten Gutes zu denken und ihn über alles zu lieben und zu ehren ist von besonderer Bedeutung, wenn wir die gottgegebenen und von ihm überlieferten Gebote halten und erfüllen wollen. Deshalb gehört auch der Glaube an den Propheten, seine Sendung und seine Gebote zu den sechs Pfeilern islamischen Glaubens.

Nur Gutes und Schönes

Aus seinen Unterweisungen können wir über die islamischen Sitten und Gebräuche nur Gutes und Schönes entnehmen.

Einheit Gottes

Die erste und grundlegende Überzeugung des Propheten war die Einheit Gottes (Tauhid), d.h. die Gewissheit, dass alles Gottes Eigentum ist. Daraus erwuchs sein Dienst, seine Anbetung, d.h. der Lobpreis, die Ehrerbietung und die Dankbarkeit in seinem Herzen, in Wort und Tat, d.h. alle seine Worte und Taten waren nicht Ausdruck eigenener Wünsche und Begierden, sondern eines klaren Willens und reiner Überzeugung.

Keine Modeerscheinung

Der Islam, die Hingabe an den Willen Gottes, ist keine Modeerscheinung, sondern entstand bereits vor 1400 Jahren und zählt heute eine Milliarde und dreihundert Millionen Anhänger. Das sollte man stets vor Augen haben, mit Herz und Verstand, wann immer man darüber nachdenkt, davon redet oder sich zu etwas entscheiden will.

Witwen und Waisen

Während der zahlreichen Kämpfe, die die noch junge islamische Gemeinde auszufechten hatten, blieben viele der Frauen und Kinder der Sahabis als Witwen und Waisen zurück. Daher empfahl der Prophet den Sahabis sich mit diesen Witwen zu verheiraten und sie zusammen mit den verwaisten Kindern in ihre Häuser aufzunehmen.

Kummer und Sorgen

Welche Arbeit auch immer ein Mensch auf sich nimmt, sobald er sich in ihr verliert, verliert er auch die Freude an ihr und nur Kummer und Sorgen bleiben ihm.

Selbstloser Liebe

Für zehn Frauen bis zu seinem Lebensende die Sorge zu übernehmen ist ganz offensichtlich ein Werk selbstloser Liebe. Keine seiner Frauen hat je die Absicht geäußert, ihn wieder zu verlassen, im Gegenteil: sie haben ihm alle auch nach seinem Tode noch die Treue gehalten. All seine ehrenwerten Frauen wurden von seinen Gefährten mit großem Respekt behandelt und haben sich stets aller ihnen erwiesenen Ehren würdig erwiesen.

Die Frauen des Propheten

Der Prophet hat während der dreiundsechzig Jahre seines Lebens insgesamt zwölf Mal geheiratet. Zwei von diesen Frauen sind noch vor ihm gestorben.

1- Khatidscha die Große, war seine erste Frau und die einzige, die er noch in Mekka geheiratet hat. Sie gehörte zum Stamm der Koreischiten, war die Tochter des Khuwailid ibn Asad und stammte aus einem vornehmen mekkanischen Hause. Mit vierzig Jahren bereits zwei Mal verheiratet und wie alle Frauen des Propheten, Aischa ausgenommen, bei ihrer Hochzeit bereits Witwe. So machte sie denn dem späteren Propheten, der damals erst fünfundzwanzig Jahre alt war erneut einen Heiratsantrag. Grund zu dieser Eheschließung war weniger ihr eigener Reichtum, als vielmehr die bereits damals geradezu auffallende vornehme Haltung und der edle Charakter des späteren Propheten. Die Verbindung zwischen Mohammed und Khadidscha war glücklich und fruchtbar. Zwei Söhne und vier Töchter gingen aus ihr hervor. Ihr ältester Sohn war Al-Qasim, der im Alter von zwei Jahren starb. Auch der zweite Sohn, 'Abdu'llah, starb noch als Kind. Seine Töchter hießen Zainab, Ruqaiya, Umm Kulthum und Fatima. Khatidscha die Große starb im Jahre 619 im Alter von 65 Jahren. Der Prophet war damals 50 Jahre alt. Er verwandelte ihr Erbe in eine Stiftung (Wakf) und verwendete es ausschließlich nach dem Willen Gottes.

2- Sauda war die Tochter des Sama'a, die Witwe des Sakran, eines Koreischiten und Gefährten des Propheten. Der Prophet heiratete sie im Jahre 624, fünf Jahre nach dem Tode seiner ersten Frau. Sie war bei ihrer Hochzeit 55 Jahre alt.

3- A'ischa die Getreue war die Tochter des Abu Bekir. Der Prophet heiratete sie im selben Jahre wie auch Sauda und überlebte ihren Mann um vierzig Jahre. Sie starb im Jahre 676 und ist in Medina begraben. Sie trägt den Beinamen Ummu'l-Mu'mi nin, "Mutter der Gläubigen".

4- Hafsa war die Tochter des 'Umar und die Witwe des Khunais, eines der frühesten Anhänger des Islam. Sie heiratete der Prophet etwa sechs Monate nach dem Tode ihres ersten Mannes. Zu Lebzeiten des Propheten hatte sie beträchtlichen Einfluss auf seine Entscheidungen. Sie überlebte ihn um einige Jahre, und eine Reihe von Traditionen gehen auf ihre Aussagen zurück.

5- Seynab, Tochter des Khusaifa, war die Witwe des 'Ubaida, Mohammeds Cousin, der bei der Schlacht von Badr gefallen war. Sie heiratete der Prophet im dritten Jahr der Hidschra, als sie 60 Jahre alt war. Seynab bin Khusaifa war bekannt für ihre Mildtätigkeit und wurde deshalb Ummu'l-Massakin, "Mutter der Armen" genannt. Sie und Khadidscha waren die einzigen Frauen Mohammeds, die noch vor ihm starben.

6- Ummu's-Salama war die Witwe des Abu Salama, der bei der Schlacht am Uhud verletzt wurde und später an seinen Verwundungen starb. Der Prophet heiratete sie vier Monate danach. Sie war 65 Jahre alt und hatte vier Kinder.

7- Seynab, Tochter des Dschahsch, war die geschiedene Ehefrau von Zaid ibn Haritha, dem Adoptivsohn des Propheten. Als der Ehrenwerte Prophet sie heiratete, hatten viele Leute ihre Vorurteile dabei und es gab eine Menge Gerede darum herum. Denn Hasret Seyneb bin Dschahsch war eine Verwandte aus dem Hause des Ehrenwerten Propheten und er kannte sie schon, als sie noch ein Kind war. Er hätte sie also schon in ihrer Jungmädchenzeit heiraten können, was er aber nicht tat. Statt dessen wollte er, dass sie sich mit einem freigelassenen Sklaven namens Seyd verheiraten solle, der sein Adoptivsohn war. Ihre Familie hatte sich zunächst gefreut und gedacht, er wolle selbst um ihre Hand anhalten. Als er jedoch für Seyd um sie bat, waren sie zwar enttäuscht, entsprachen aber seinem Wunsch. So fand denn die Hochzeit statt. Seyneb wäre schon damals würdig und wert gewesen, einen Propheten zu heiraten; und so waren denn in ihrer Ehe mit einem freigelassenen Sklaven aufgrund ihrer so unterschiedlichen geistigen Ausrichtung Spannungen unvermeidlich. Seyd spürte diesen Unterschied deutlich und bat daher den Ehrenwerten Propheten des öfteren, diese Ehe wieder zu scheiden. Der Ehrenwerte Prophet hat ihn jedes Mal wieder abgewiesen. Scharfsinnig wie er nun einmal war und dachte, fürchtete er sich davor, Seyneb zu heiraten, weil sie ja nach den Alten Gesetzen seine Schwiegertochter war. Doch um diese Alten Gesetze zu brechen und Seyneb in den Dienst des Propheten zu stellen, musste sie es lernen, in ihrem Schwiegervater den künftigen Gatten zu sehen. Auch dem Ehrenwerten Propheten viel es keineswegs leicht, in seiner Schwiegertochter die künftige Gattin zu sehen, weil dies jedes menschliche Fassungsvermögen übersteigt, weshalb nun dieser ständige Zank und Streit vom Höchsten Throne durch eine Ayah beendet werden musste. (Siehe: Sure33, 36)

8- Dschuweyriya, eine Witwe, die Tochter des Harith, des Herrschers der Banu Mustaliq. Der Ehrenwerte Prophet zahlte neun Unzen Gold an Lösegeld für sie. 'A'ischa soll über sie gesagt haben: "Keine Frau war je ein solcher Segen für ihr Volk wie Dschuweyriya."

9- Safiya. Auch sie hieß ursprünglich Seynep. Sie war eine Jüdin, ihr Vater das Oberhaupt vom Stamme der Nadir, ihre Mutter die Tochter des Oberhauptes der Kureys. Während der Schlacht von Hayber fielen ihr Vater, ihr Mann und ihr Bruder. Viele der noch übrig gebliebenen gerieten in Gefangenschaft. Der Ehrenwerte Prophet wollte ihr ursprünglich die Freiheit schenken und sie ziehen lassen. Doch sie entschied sich, bei ihm zu bleiben und ihn zu heiraten.

10- Ummu Habiba war die Tochter des Abu Sufyan und die Witwe des 'Ubaidu'llah, der nach Abessinien emigriert war, sich dort taufen ließ und als Christ starb. Sie war bei ihrer Heirat 55 Jahre alt.

11- Mariya die Koptin. Der Ehrenwerte Prophet schickte einmal Briefe an die Herrscher der Welt, um sie zum Islam einzuladen. Einer von ihnen war Mukaukis, der Herrscher über Ägypten. Der nahm den Abgesandten des Propheten gastfrei auf und überließ ihm zwei seiner Sklavinen. Diese ließen sich nun auf dem Rückweg über den neuen Glauben unterrichten und nahmen den Islam an. In Medina angekommen, nahm der Ehrenwerte Prophet Mariya zur Frau. Sie gebar ihm seinen dritten Sohn, Ibrahim, der aber gleichfalls in jungen Jahren starb. Diese Ehe hatte einen großen Einfluß in dem damals noch byzantinisch beherrschten Ägypten, sodaß sich die Ägypter nicht in deren Kampf gegen die Araber eingemischt haben.

12- Meymune war die Tochter des Harith, eine verwitwete Verwandte Mohammeds und die Schwägerin des 'Abbas. Sie soll 51 Jahre alt gewesen sein als sie Mohammeds Frau wurde. Sie hatte 2 Kinder von ihrem ersten Mann. Ihr ursprünglicher Name war Berre. Auf Vorschlag des Ehrenwerten Propheten änderte sie ihren Namen in Meymune (= die Zufriedene). Als ein Jahr nach dem Friedensvertrag von Hudeybiye die Moslems zusammen mit dem Ehrenwerten Propheten die Pilgerfahrt nach Mekka unternahmen, schlug Abbas, der Onkel des Ehrenwerten Propheten ihm vor, Meymune zu heiraten, da sie ihn darum gebeten hatte, ihr diese Ehe zu vermitteln. Der Ehrenwerte Prophet nahm diesen Vorschlag gerne an und so wurde sie seine letzte Frau. Er war damals schon sechzig Jahre alt. Die Mekkaner aber nahmen diese seine letzte Ehe zum Zeichen für seine noch stets ungebrochene Freundschaft mit ihrer Stadt.

Zainab. Die Tochter des Dschahsch

"Erstens: Ihr fragt mich: "Gleich den Heuchlern alter Zeit nehmen auch die Leute des Irrweges in neuer Zeit die Heirat des Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, mit Seyneb zum Vorwand ihrer Kritik, indem sie meinen, es handle sich hier um eine Befriedigung seines Verlangens."

Antwort: Gott bewahre! Hunderttausend Mal: Keineswegs! Den Saum dieses erhabenen Gewandes vermögen solche niederträchtigen Zweifel nicht zu berühren. Denn es ist in der Tat ein Zeugnis und ein Beweis für einen jeden billig denkenden Menschen, daß eine solche Persönlichkeit, die von ihrem fünfzehnten bis zu ihrem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, in der das Feuer der Leidenschaft auflodert und das Verlangen in der Seele (nefs) brennt, sich in absoluter Keuschheit und vollkommener Ehrenhaftigkeit, worin Freund und Feind übereinstimmen, mit einer einzigen, bereits älteren Frau, wie Khadidscha der Großen, mit der Gott zufrieden sein möge, zufrieden gab und begnügte, erst nach seinem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, wo das Feuer der Leidenschaft zu erlöschen und das Verlangen der Seele zu verstummen beginnt, viele Frauen zu ehelichen, sie zu heiraten begann, daß dies zwangsläufig und offensichtlich nicht geschah, um seine Seele (nefs) zu befriedigen, sondern anderen, wichtigeren Gründen (hikmet) diente.

Einer dieser Gründe ist der folgende: So wie die Worte des Herrn der Botschaft sind auch seine Taten, seine Haltung, seine Verhaltensweise und sein Umgang eine Quelle des Glaubenslebens mit all seinen Gesetzen und Maßstab unseres Verhaltens. Während die Sahabis die Grundregeln des äußerlichen und öffentlichen Verhaltens übermittelten, waren seine ehrbaren Frauen als Trägerinnenn der Überlieferung die Übermittlerinnen der Geheimnisse des Glaubens und gesetzestreuen Verhaltens in seinem privaten Leben und Betragen. Sie waren es, die in der Tat diese Aufgabe übernommen haben. Denn beinahe die Hälfte aller Geheimnisse und Maßstäbe des Glaubenslebens gehen auf sie zurück. Das heißt, zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe waren mehrere ehrbare Frauen von verschiedenem Charakter erforderlich.

Doch nun zu der Heirat mit Hazret-i Zeyneb: Im fünfundzwanzigsten Wort wurde als Beispiel für den dritten Strahl der ersten Flamme in Bezug auf die Ayah

"Mohammed ist nicht der Vater einer eurer Männer, sondern Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten." (Sure 33, 40)

folgendes geschrieben: Eine einzelne Ayah hat mit Rücksicht auf die verschiedenen Schichten der Bevölkerung auch unterschiedliche Bedeutungen je nach dem Verständnis jeder einzelnen Bevölkerungsschicht. Nach dem Verständnis der einen Schicht bedeutet die obige Ayah folgendes: entsprechend einem zuverlässigen Hadith hat Seyd, der Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den er mit "mein Sohn" anredete, nach eigener Aussage seine ehrwürdige Gattin als ihm nicht ebenbürtig empfunden und deshalb auf einer Scheidung von ihr bestanden. Das heißt, Seyd bemerkte, dass Hazret-i Zeyneb nach seinem Empfinden und im Unterschied zu ihm von edlem Charakter war und dazu geboren, die Gattin eine Propheten zu sein. Da er sich, als ihr Gatte, von Natur aus als ihr nicht ebenbürtig empfand, was dann schließlich zur Unverträglichkeit zwischen ihnen führte, schied er sich von ihr. Im Auftrag Gottes nahm nun der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sie zu sich. Dies wird ausgedrückt in der Ayah:

"Wir haben sie dir ehelich angetraut." (Sure 33, 37)

was heißt, daß diese Eheschließung aufgrund eines himmlischen Vertrages eine außergewöhnliche, außerhalb jeder Tradition stehende, bis dahin noch nie gesehene Handlung war und nur kraft göttlicher Vorhersehung zustande kam. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, folgte nur diesem Urteilsspruch göttlicher Vorhersehung. Er war genötigt, sich ihm zu unterwerfen. Es entsprach nicht dem Verlangen seiner Seele (nefs). Was diesen Urteilsspruch der göttlichen Vorhersehung betrifft, so weist die ehrwürdige Ayah

"Damit die Gläubigen nicht in Ungelegenheiten kommen sollen, wenn sie die Frauen ihrer Adoptivsöhne heiraten." (Sure 33, 37)

welche eine wichtige Bestimmung des Gesetzes (Schari'a) und eine Begründung von allgemeiner Bedeutung in einer allgemeingültigen, umfassenden Angelegenheit zum Inhalt hat, darauf hin, daß für den Fall, daß einer der Alten zu einem von den Jungen "mein Sohn" sagte, es sich hier nicht um einen Fall von "Sihar" handelt, also um einen Mann, der zu seiner Frau gesagt hat: "Du bist für mich gleich wie meine Mutter", wodurch seine Frau für ihn haram (verboten) geworden und sein Rechtsverhältnis zu ihr sich geändert hat.

Und ferner liegt es innerhalb des Aufgabenbereichs eines Botschafters, wenn die Obrigkeit ihre Untergebenen, wenn die Propheten ihre Gemeinde in väterlicher Weise betrachten und anreden. Ja wäre es denn nun hinsichtlich ihrer menschlichen Identität für sie unangemessen, aus deren Mitte eine Frau zu ehelichen!?

Was die zweite Schicht darunter versteht, ist: Ein großer Gebieter betrachtet seine Untertanen mit väterlicher Liebe. Wenn dieser Gebieter auch im übertragenen Sinne König der äußerlichen wie innerlichen Welt ist, dann übersteigt seine Barmherzigkeit hundertfach die Liebe eines Vaters und jeder seiner Untertanen betrachtet ihn als seinen Vater, als ob er tatsächlich sein Kind wäre. Da der väterliche Blick sich nicht zum Blick eines Bräutigams verändert, und da der Blick einer Tochter sich nicht leicht in den Blick einer Braut verwandelt, paßt es der allgemeinen Vorstellung nicht, daß der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, Töchter der Gläubigen heiratet. Aus diesem Grund sagt der Koran, um diese irrige Vorstellung zu korrigieren: "Der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hegt für euch selbstlose Liebe, die aus der Barmherzigkeit Gottes entspringt, und geht mit euch väterlich um. Von der Haltung eines Gottesgesandten her seid ihr wie seine Kinder. Aber von seiner Identität als Mensch ist er nicht euer Vater, so dass es für ihn unpassend sein könnte, eine eurer Frauen zu ehelichen. Und wenn er euch als ‚mein Sohn' anspricht, könnt ihr nach dem Rechtsverhältnis des Gesetzes nicht seine Kinder werden." (Briefe, Nursi)

Islamische Fragen gibt es auf verschiedenen Stufen.

"Islamische Fragen gibt es auf verschiedenen Stufen. Verlangt eine nach einem sicheren Beweis (für den hinterfragten Gegenstand), begnügt sich eine andere damit, dass man (das Gefragte) für äußerst wahrscheinlich hält. Noch eine andere erfordert nur, dass man (mit der gegebenen Antwort) einverstanden ist und (sie) nicht ablehnt. Deswegen soll man bei jeder Frage, die nicht die (allgemeinen) Glaubensgrundsätze betrifft und die zu den Einzelheiten gehört (über die man verschiedener Meinung sein kann), und bei jedem Ereignis, welches über die Zeichen der Zeit vorausgesagt wurde, nicht nach einem sicheren Beweis verlangen. Vielmehr soll man sich damit begnügen, etwas nicht zu bestreiten, sondern für möglich zu halten.." (Worte, Nursi)

Über Textkritik an den Ahadith

"Manche Aussagen der Überbringer der ehrwürdigen Ahadith oder deren Ausdeutungen hielt man für den Text der Ahadith. Da der Mensch nicht frei von Fehlern ist, wurden manche ihrer der Wahrheit zuwiderlaufende Ausdeutungen oder Worte für Hadith gehalten, jedoch für schwach erklärt." (Worte, Nursi)

"Dem Sinn der folgenden Überlieferung entsprechend "Wahrlich finden sich in meiner Gemeinde solche, die Inspirationen erhalten, d.h. diejenigen, die Eingebungen haben." entstanden manche Aussagen, die man für Hadith hielt, durch die Inspirationen einiger Hadithgelehrter, Männern einer inneren, geistigen Schau, die Inspirationen empfingen, die Gottesfreunde waren. Es können in den Inspirationen der Gottesfreunde - bei Ungenauigkeiten - Mängel erscheinen. Auf diese Art kann also ein Teil der Überlieferungen der Wahrheit zuwiderlaufen. (Worte, Nursi)

Der Mensch ist von Natur aus gut.

"Da der Mensch von Natur aus gut ist, bemüht er sich um Wahrheit und Gerechtigkeit. Doch manchmal hält er den Irrtum für Wahrheit und hütet ihn in seiner Brust." (Nursi)

Einen besseren Zeugen als den Feind gibt es nicht.

Die Heirat des Propheten mit Hasret Aischa verursachte damals selbst unter den Ungläubigen kein Gerede und entsprach so sehr den ethischen Vorstellungen der arabischen Gesellschaft, dass wir weder im Koran, noch in den Hadithsammlungen und Geschichtsbüchern eine einzige Kritik darüber finden. Und das, obwohl doch der Prophet immer wieder den Koran rezitierte, der ja geradezu dazu auffordert, seine Fehler herauszufinden. Da aber bis heute keine Kritik in dieser Angelegenheit erfolgte, dürfen wir heute sicher sein, dass der Prophet stets nur das getan hat, was Gott ihm befohlen hatte. Die Ungläubigen seiner Zeit haben stets wieder versucht, ihn zu verleumden. Sie sagten, er sei ein Dichter oder geistesgestört und die Geister (Dschinnen) sprächen durch ihn. Sie sagten aber niemals, er sei ein Lügner oder handele unmoralisch. Und ihr Zeugnis, als das Zeugnis seiner erbittertsten Gegner, ist stets das beste Zeugnis, das man über ihn ausstellen kann. Auf jeden Fall hat der Prophet niemandem ein Unrecht getan oder gar ein Verbot übertreten. Er hat stets nur gezeigt, wie wir das, was der Anstand gemäß dem Koran gebietet, im Leben in die Tat umsetzen können. Darin sind sich alle islamischen Gelehrter einig.

Der Koran als Bürge für die Wahrheit

Auch dort wo es um den Propheten und seine Frauen geht, bürgt der Koran selbst für die Wahrheit, so z.B. dort, wo es um Seyneb (RA) und ihre Ehe mit dem Propheten geht, sich um "Ifk" (eine Verleumdung Aischas) handelt, oder der Prophet über einen blinden Bettler auch nur die Stirn runzelt. Da der Prophet in seiner Person und in seinem ganzen Leben den Koran verkörpert, wird jeder direkte oder indirekte Zweifel an seiner Person zu einer Kernfrage des Korans. Es ist unmöglich, dass der Quran eine solche Frage jemals unbeantwortet gelassen hätte.

Die höchste Autorität

Im Islam ist die höchste Autorität nicht der Prophet sondern der Koran. Der Prophet selbst ist also dem Koran untergeordnet. Die Ayah: "Halte also geraden Kurs (istaqim) wie dir befohlen wurde" drückt aus, dass der Prophet sich nur nach dem Befehl des Korans richten darf. Es wäre unmöglich, dass der Prophet entgegen dem Gesetz des Korans gehandelt hätte.

Nicht aus Leidenschaft

"Denn es ist in der Tat ein Zeugnis und ein Beweis für einen jeden billig denkenden Menschen, dass eine solche Persönlichkeit, die von ihrem fünfzehnten bis zu ihrem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, in der das Feuer der Leidenschaft auflodert und das Verlangen in der Seele (nefs) brennt, sich in absoluter Keuschheit und vollkommener Ehrenhaftigkeit, worin Freund und Feind übereinstimmen, mit einer einzigen, bereits älteren Frau, wie Khadidscha der Großen, mit der Gott zufrieden sein möge, zufrieden gab und begnügte, erst nach seinem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, wo das Feuer der Leidenschaft zu erlöschen und das Verlangen der Seele zu verstummen beginnt, viele Frauen zu ehelichen, sie zu heiraten begann, dass dies zwangsläufig und offensichtlich nicht geschah, um seine Seele (nefs) zu befriedigen, sondern anderen, wichtigeren Gründen (hikmet) diente.

Einer dieser Gründe ist der folgende: So wie die Worte des Herrn der Botschaft sind auch seine Taten, seine Haltung, seine Verhaltensweise und sein Umgang eine Quelle des Glaubenslebens mit all seinen Gesetzen und Maßstab unseres Verhaltens. Während die Sahabis die Grundregeln des äußerlichen und öffentlichen Verhaltens übermittelten, waren seine ehrbaren Frauen als Trägerinnen der Überlieferung die Übermittlerinnen der Geheimnisse des Glaubens und gesetzestreuen Verhaltens in seinem privaten Leben und Betragen. Sie waren es, die in der Tat diese Aufgabe übernommen haben. Denn beinahe die Hälfte aller Geheimnisse und Maßstäbe des Glaubenslebens gehen auf sie zurück. Das heißt, zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe waren mehrere ehrbare Frauen von verschiedenem Charakter erforderlich." (Briefe, Nursi)

Das heiße Klima Arabiens

Der berühmte Orientalist Thomas Carlayl sagt: In der Geschichte der Menschheit gab es keinen Menschen, der so beschäftigt gewesen wäre wie Mohammed (ASM). Außerdem soll man das heiße Klima Arabiens, sein hohes Alter, die körperlische Belastung durch die Offenbarungserlebnisse, die Sorge um das richtige Verständnis dieses neu geoffenbarten Glaubens, die Sorge darum, das diese neuen religiöse Vorschriften in den Herzen der Menschen Wurzeln schlagen sollten, die Armut der neu entstehenden Gemeinschaft, sich um ihre Bedürfnisse und um ihre private Probleme zu kümmern, der geistige und körperliche Anstrengung im Kampf mit den Götzendienern und den Anhängern der Andersgläubigen in den verschiedensten Stämmen, dazu noch die Heirat mit 11 Frauen in seinen letzten 7 Jahren und ihre geistige und weltliche Sorgen um den Unterhalt zu übernehmen mit berücksichtigen. Wenn wir das alles zusammen übedenken, wird verständlich, dass der Prophet dies alles nicht etwa tat, um seine Begierde zu befriedigen. Das alles erwuchs vielmehr aus dem Boden einer tiefen und grundlegenden Weisheit.

Einige Weisheiten, die der Heirat des Propheten mit zwölf Frauen zugrunde liegen:

Durch seine Heiraten mit mehreren Frauen aus verschiedenen Stämmen knüpfte der Prophet freundschaftliche und verwandtschaftliche Bande, die es ihm wesentlich leichter machten, seine Botschaft unter den Stämmen zu verkünden. Darüber hinaus konnte er sich so vor den Angriffen seiner Gegner schützen und sich zugleich des Schutzes der ihm befreundeten Stämme versichern

Die Frauen, die er geheiratet hat, waren einerseits besondere Persönlichkeiten, andererseits meistens arme alte Witwen. Trotz ihrer Armut hatten sie alle Heiratsangebote in Ehren zurückgewiesen. Um ein Beispiel zu nennen: als der Prophet Umm Seleme einen Heiratsantrag machte, antwortete sie: "Oh Gesandter Gottes! Ich bin schon zu alt, dir noch als Ehefrau dienen zu können." Der Prophet aber erwiderte: "Nein, du bist auch nicht älter als ich." So wies er ihren Einwand zurück. Die Absicht des Propheten, sie zu heiraten, war seiner Gemeinde bereits bekannt.

So wie die Worte des Herrn der Botschaft sind auch seine Taten, seine Haltung, seine Verhaltensweise und sein Umgang eine Quelle des Glaubenslebens mit all seinen Gesetzen und Maßstab unseres Verhaltens. Während die Sahabis die Grundregeln des äußerlichen und öffentlichen Verhaltens übermittelten, waren seine ehrbaren Frauen als Trägerinnen der Überlieferung die Übermittlerinnen der Geheimnisse des Glaubens und gesetzestreuen Verhaltens in seinem privaten Leben und Betragen. Sie waren es, die in der Tat diese Aufgabe übernommen haben. Denn beinahe die Hälfte aller Geheimnisse und Maßstäbe des Glaubenslebens gehen auf sie zurück. Das heißt, zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe waren mehrere ehrbare Frauen von verschiedenem Charakter erforderlich.

Es wird überliefert, dass viele von den Gelehrten unter Sahabis von Hasret-i Aischa, Mutter der Gläubigen, Unterricht bekommen haben in allen schwierigen Fragen, die sie selber nicht lösen konnten. So wie Aischa haben sich auch alle anderen Frauen des Propheten als sehr gebildet, wissenschaftlich begabt und interessiert gezeigt. Nach dem Tode des Propheten haben sie bis ans Ende ihres Lebens ihre wissenschaftliche Tätigkeit fortgesetzt. Sie waren besondere Persönlichkeiten.

Durch die Heirat mit Aischa hat der Prophet den Bund mit Abu Bekir (RA) bekräftigt, der nach dem Propheten an dessen Stelle der erste Kalif werden sollte, so dass seine Wahl zum Kalifen durch alle Gefährten einstimmig erfolgen konnte.

Hasret Aischa war die einzige Frau, die noch Jungfrau war, als der Prophet sie geheiratet hat. Die Feststellung des Alters, in dem eine Jungfrau heiratsfähig wird, war für die Gemeinde eine überaus wichtige Angelegenheit. Früher wurde in Europa ein Mädchen mit 21 Jahren volljährig; heute wird sie es bereits mit achtzehn Jahren. Sie konnte aber früher schon mit achtzehn Jahren und kann heute bereits mit sechzehn Jahren heiraten, wenn die Eltern damit einverstanden sind. Nach islamischem Gesetz aber wird ein Mädchen bereits mit Eintritt der geschlechtlichen Reife heiratsfähig.

Hasret Aischa, Tochter des Abu Bekir, war vor ihrer Heirat mit dem Ehrenwerten Propheten zunächst dem Dschubeyr, Sohn des Mut'im, versprochen. Als dann aber ihr Vater zum Islam übertrat, löste Mut'im diese Verlobung wieder auf. Erst danach war nun Hasret Aischa frei für eine Heirat mit dem Ehrenwerten Propheten. Das aber zeigt, dass der Prophet an die damaligen Sitten gebunden war und nicht einfach eine Heirat befehlen konnte.

Wie alt war Hasret Aischa am Tage ihrer Hochzeit?

Auch in den arabischen Ländern wurden in alten Zeiten die Jahre nach den charakteristischen Ereignissen bezeichnet. So wurde z.B. das Geburtsjahr des Propheten das "Jahr der Elefanten" genannt, weil in diesem Jahr Ebrehe mit seinem Heer auf Elefanten nach Mekka geritten kam, um die Stadt zu belagern. Erst die Einführung des islamischen Erbrechts unter Kalif Omar (634-644) machte eine genaue Zählung der Jahre notwendig. Deshalb sind wir auch bei der Angabe des Geburtsjahres von Hasret Aischa auf ungefähre Schätzungen angewiesen.

Chronologie der Jahre 571- 632

Auch wenn eine Angabe exakter Jahreszahlen leider nicht möglich ist, dürfen doch solche Angaben nicht der Logik und den Naturgesetzen widersprechen. 571 Das Jahr, in dem Mohammed geboren wurde. 596 Mohammed ist fünfundzwanzig Jahre alt und heiratet Khatidscha die Große. 610 Mohammed ist vierzig Jahre alt, empfängt seine erste Offenbarung und damit seine Berufung zum Propheten. 619 Khatidscha die Große stirbt. Der Prophet ist fünfzig Jahre alt. 622 Der Prophet flieht von Mekka nach Jethrib. Damit wird dieser Ort zur Stadt (= Medina) des Propheten. 624 - 630 Nach fünf Jahren Witwenschaft heiratet der Prophet wieder und nimmt in den folgenden sechs Jahren elf Frauen in seinem Hause auf. 624 Kämpfe in der Gegend von Bedir und Uhud 627 Die Schlacht, vor der zum ersten Mal in der Geschichte Gräben (= Hendek) zur Verteidigung ausgehoben wurden. 629 Eroberung der Feste Hayber 630 Der Ehrenwerte Prophet schließt bei Huneyn einen Friedensvertrag mit den Mekkanern und belagert Taif. Die Mekkaner brechen den Friedensvertrag und ihre Stadt fällt dem Ehrenwerten Propheten kampflos in die Hände. 631 Die Bewohner von Taif schließen Frieden und übergeben ihre Stadt den moslimischen Truppen. 632 Der Ehrenwerte Prophet kehrt in die Ewigkeit heim. Er war dreiundsechzig Jahre alt.

Hasret Aischa und die Geschichte ihrer Brautwerbung

Als der Ehrenwerte Prophet 50 Jahre alt war, starb Hatidscha die Große. Nach fünf Jahren seiner Witwenschaft warb er nun einerseits um die 55 jährige, gleichfalls verwitwete Sauda und zugleich auch um Aischa, die Tochter von Abu Bekir, seinem engsten Freund. Denn auch im arabischen Kulturkreis waren Ehen mit mehreren Frauen damals wie heute nichts außergewöhnliches. Da Abu Bekir seine Tochter aber bereits Dschubeyr, dem Sohn von Mut'im, versprochen hatte, konnte er dem Propheten keine Zusage machen. Das aber zeigt, dass der Prophet an die damaligen Sitten gebunden war und eine Heirat nicht einfach befehlen konnte. Als Abu Bekir zu Mut'ims Haus ging, sah Dschubeyrs Mutter ihn kommen und sagte zu ihm: "Oh Abu Bekir! Wenn du etwa deine Tochter mit meinem Sohn verheiraten und auch ihn zum Islam bekehren willst, so wisse: Wir wollen deine Tochter nicht mehr!" Mit diesen Worten löste sie ihre Verlobung wieder auf, was in der damaligen arabischen Gesellschaft einer Beleidigung gleich kam. Daraufhin wandte Abu Bekir sich wortlos um, kehrte in sein Haus zurück und nahm nun den Heiratsantrag des Propheten an. So bekräftigte also Abu Bekir das Band der Freundschaft mit dem Propheten durch die verwandschaftlichen Bande mit seinem Schwiegersohn Mohammed. Auch das war nach der gängigen arabischen Praxis eine durchaus gebräuchliche Verfahrensweise. Der Grund aber, weshalb der Prophet um Hasret Aischa geworben hatte, lag darin, dass er in ihr eine außerordentliche Begabung für die Wissenschaft erkannte, was sich dann auch in ihrem späteren Leben als durchaus richtig erwies. Da Hasret Abu Bekir einer der ersten gewesen ist, die nach der ersten Offenbarung im Jahre 610 den Islam angenommen hatten, wonach er einer der engsten Freunde des Propheten und später dessen Nachfolger wurde, ist es kaum vorstellbar, dass er danach noch seine Tochter Dschubeyr, einem Götzendiener, verlobt haben könnte. Weit plausibler erscheint es hingegen, dass diese Verlobung noch in vorislamischer Zeit stattgefunden hatte und wieder aufgelöst wurde, sobald Abu Bekir den Islam angenommen hatte, zumal da ja danach die Spannungen in Mekka dermaßen zunahmen, dass die ersten Moslime nach langen blutigen Verfolgungen und schließlich auch der Prophet selbst nach zwölf Jahren aus Mekka fliehen mussten. Bleibt also nur anzunehmen, dass Mut'im und Abu Bekir noch vor dem Jahre 610 so eng mit einander befreundet gewesen waren, und dass auch Aischa selbst in diesem Jahre mindestens fünf Jahre alt gewesen sein muss, damit eine solche Verlobung zwischen den beiden befreundeten Familien zustande kommen konnte, danach aber wieder aufgelöst wurde, weil nun Abu Bekir den Islam angenommen hatte. Da der Ehrenwerte Prophet Hasret Aischa erst im Jahre 624 geheiratet hat, muss Aischa also damals mindestens siebzehn Jahre alt gewesen sein. Ausführlich nachzulesen ist das in dem Buch "Das Gückliche Zeitalter" von Imam Schibli, einem bedeutenden indischen Gelehrten. Hasret Aischa dürfte am Tage ihrer Hochzeit mit dem Propheten wohl kaum erst sieben Jahre alt gewesen sein. Sie war aber sehr wohl sieben Jahre mit ihm verheiratet gewesen, als er 632 starb. Da aber war sie bereits die weitaus berühmteste Theologin ihrer Zeit, konnte ihr bedeutendes Wissen mühelos in die Praxis umsetzen und dabei noch wissenschaftlich tätig sein. Und es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie im Jahre 632 erst vierzehn Jahre alt gewesen sein sollte.

Die Verleumdung (ifk)

Auf der Rückkehr von der Schlacht gegen die Mureysi legte die Karawane eine Pause ein. Hasret Aischa verließ ihre (selbstverständlich verschlossene) Sänfte, und ihr Bedürfnis zwang sie dazu, sich (als Frau!) im offenen Gelände möglichst weit von der Karawane zu entfernen. Zudem verlor sie auch noch ihre Halskette aus jemenitischen Perlen und so dauerte es sehr lange, bis sie endlich den Weg zurück fand. Die Karawane war inzwischen aufgebrochen. Niemand hatte bemerkt, dass die Sänfte hinter den geschlossenen Vorhängen leer war. Und so blieb denn Hasret Aischa nichts anderes übrig, als auf Hilfe zu warten. Die aber kam durch Safwan bin Muattal, der die Nachhut bildete und den Auftrag hatte, den Lagerplatz der Karawane nach verlorenen Gegenständen abzusuchen. Der ließ sein Kamel niederkknien, Aischa aufsteigen, nahm das Kamel am Halfter und wanderte mit Hasret Aischa ganz allein durch die Wüste nach Hause, wo sie endlich spät abends ankamen. Hasret Aischa war nach der langen Reise krank und erschöpft. Sie ging also direkt zu ihren Eltern und verließ zwei Wochen lang nicht das Haus. Inzwischen aber kochte die Gerüchteküche. Nach zwei Wochen endlich ging Hasret Aischa auf den Markt, bekam die Grüchte zu Ohren und fragte zu hause ihre Mutter danach. Die erzählte ihr alles, auch dass man sie bisher damit verschont hatte, um sie nicht unnötig zu beunruhigen. Nun aber kam der Ehrenwerte Prophet zu ihr und sagte zu ihr: "Oh Aischa! Hast du dir etwas zu schulden kommen lassen, so bitte Gott um Vergebung! Wenn du aber unschuldig bist, so möge Gott dich von diesen Gerüchten reinigen." Nun wurde Hasret Aischa sehr traurig, denn sie hatte keinen Zeugen. So sagte sie nur: "So wie Josefs Vater Jakob will nun auch ich mich in Güte ergeben und in Geduld fassen." So zog sie sich denn völlig zurück, ergab sich Gott und verbrachte ihre Tage im Gebet. Der Ehrenwerte Prophet aber hatte auch keine Erklärung. Und so drohte sein Schweigen seine Gemeinde zu spalten. Da stellte die Offenbarung einer Ayah die Unschuld von Hasret Aischa wieder her und verhinderte zugleich diese Spaltung unter den Gläubigen. Sie fühlte sich dadurch, dass Gott ihretwegen gesprochen hatte, sehr geehrt. Zugleich aber erfolgte auch die Offenbarung, dass ein Ehebruch stets von vier Personen bezeugt werden muss. Haben sie aber falsch geschworen, sollen sie zur Strafe achtzig Peitschenhiebe erhalten und man solle sie niemals mehr als Zeugen vernehmen.

Die Kamelschlacht (Cemel Vak'asi)

Der wichtigste Vorfall im Leben von Hasret Aischa während der vierzig Jahre nach dem Tod des Propheten war die "Kamelschlacht". Nachdem Kalif Uthman von der Hand eines der Rebellen, die den Aufstand angezettelt hatten, gefallen war, fand der ihm nachfolgende Kalif Ali es für geraten, bei der Suche nach dem Mörder und bei seiner Bestrafung unter den damaligen Umständen entsprechend behutsam vorzugehen. Diese ungewöhnliche Milde des neuen Kalifen veranlasste jedoch die Aufständischen, nur noch mehr Unruhe im Lande zu stiften und ihre bösen Taten fortzusetzen.

Diese wachsende Unruhe rief bei den Einflussreichsten unter den Sahabis wie Talha und Subeyr eine große Besorgnis hervor. Deshalb besuchte eine Gruppe von ihnen Hasret Aischa, die in dieser Zeit zur Pigerfahrt in Mekka war und bat sie darum, ihnen zu helfen und nun die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Hasret Aischa empfahl ihnen, nichts zu überstürzen, vielmehr statt dessen Hasret Ali zu unterstützen und die Ruhe zu bewahren. Die Großen und Edlen unter den Sahabis folgten dieser Empfehlung von Hasret Aischa und beschlossen nun, mit ihren Soldaten ins ruhigere Basra zu ziehen. Auch baten sie Hasret Aischa: "Kehre doch mit uns zu Kalif Ali zurück und warte bei uns, bis wieder Ruhe im Lande eingekehrt ist. Als Mutter der Gläubigen und die allseits verehrte Gattin des Ehrenwerten Propheten wirst du uns eine große Stütze sein und ein jeder wird dir seinen Respekt erweisen. So kannst du uns helfen, unnützes Blutvergießen zu verhindern." Hasrat Aischa nahm diesen Vorschlag an und folgte ihnen nach Basra. Dort übernachteten sie in der Gegend des Hev'eb Brunnens und hörte im Dunkeln die Hunde bellen. Da fragte sie erschrocken: "Wie heißt denn dieser Ort hier?" Sie sagten ihr, dass dieser Ort nach dem Hev'eb-Brunnen benannt sei. Sie wollte sofort wieder umkehren und sagte zu ihren Gefährten: "Ich hörte einmal den Ehrenwerten Propheten zu mir sagen: ‚Oh Aischa! Wie wird es dir doch einmal ergehen, wenn am Hev'eb-Brunnen die Hunde bellen!?' Ich habe das Gefühl, das wird hier nicht gut enden." Ihre Begleiter aber überredeten sie, mit ihnen weiterzuziehen. Denn sie waren davon überzeugt, dass Aischas Gegenwart immer nur beruhigend auf die Leute einwirken werde. Das Gegenteil davon aber erzählten nun die Aufständischen dem Kalifen Ali und bestanden darauf, dass er sofort loszöge, um die Gefährten aufzuhalten. So zog denn der Ehrenwerte Kalif nach Basra und sandte Aischa einen Boten, um sich nach der Absicht ihrer Reise zu erkundigen und was sie denn so über die gegenwärtige Lage denke. So ließ sie ihm denn mitteilen, sie sei gekommen, um eine Spaltung im Lande zu verhindern und so den Frieden im Lande zu wahren. Auch wolle sie hier warten, bis der Mörder des Kalifen Uthman gefunden und verhaftet worden sei. Der Kalif Ali stimmte dem zu und war es zufrieden. Da verbündeten sich Aischas Gefährten mit denen des Ehrenwerten Kalifen und schlossen sich mit ihnen zusammen.

Nun aber erfuhren die Aufständischen, dass sich Ali und Aischa mit einander verbündet hatten, griffen sie noch in derselben Nacht mit ihren Kriegern im Schutz der Dunkelheit von allen Seiten an, um dieses Bündnis zu sprengen und schrien: "Seht nur, seht! Eure Gegner haben ihr Wort, Frieden zu halten, gebrochen!" Da fuhren die Gefährten Alis und Aischas aus dem Schlafe auf, wussten noch gar nicht, wie ihnen geschah, griffen nach den Waffen und begannen, wie wild um sich zu schlagen und sich gegenseitig zu beschuldigen. Das Durcheinander war unbeschreiblich. Hasret Aischa aber stand mit ihrem Kamel mitten unter ihnen. Darum auch wird diese Schlacht noch heute "die Kamelschlacht" genannt.

Nachdem sich Hasret Aischa einpaar Tage erholt hatte, veranlasste Hasret Ali ihren Bruder Mohammed bin Abu Bekir, mit ihr nach Medina zu fahren. Etwa vierzig Frauen von den einflussreichsten Familien von Basra reisten in ihrer Begleitung mit. Vor ihrer Abreise aus Basra sagte sie noch, dass das schreckliche Durcheinander und die allgemeine Verwirrung bei dieser nächtlichen Kamelschlacht auf einem Missverständnis beruhte.

Zur Auslegung deiner zweiten Frage:

Welches war die Natur der Kriege, die zur Zeit von Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, begannen? Wie können wir diejenigen beschreiben, die in einem solchen Krieg gefallen sind und diejenigen, die daran teilgenommen und getötet haben?

Antwort:

Der Kampf, zwischen Hasret Ali und Talha, Hasret Subeyr und Aischa, der Wahrhaftigen (möge der Höchste Gott mit ihnen allen zufrieden sein), den man als die Kamelschlacht bezeichnet, war ein Ringen zwischen der Reinen Gerechtigkeit und einer relativen Gerechtigkeit. Es ist dies wie folgt:

Hasret Ali betrachtete die absolute Gerechtigkeit als grundlegend und focht wie in der Zeit der beiden Scheiche vor ihm entsprechend diesem Grundsatz von der absoluten Gerechtigkeit. Was aber seine Gegner betrifft, so sagten sie: In der Zeit dieser beiden Kalifen erlaubte die Reinheit des Islam noch die Reinheit der Gerechtigkeit. Doch mit dem Fortschreiten der Zeit wurde es sehr schwierig noch diese absolute Gerechtigkeit walten zu lassen, weil nun verschiedene Völker der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet) beitraten, die noch im islamischen sozialen Leben schwach waren, weshalb nun ein relatives sogenanntes Recht des "geringeren Übels" angewandt werden musste. Um diesen Streit über Rechtsauslegung in die Politik einzuführen, wurde sogar ein Krieg geführt. Weil aber nun die Auslegung rein um Gottes willen und zum Wohle des Islam erfolgt war und der Streit nun aber über der Auslegung des Gesetzes entbrannt war, können wir sicherlich sagen, dass sowohl die, welche töteten, als auch die, welche getötet wurden, Gefährten des Paradieses und auch beide Empfänger ihres Lohnes geworden sind. Wie richtig auch immer Hasret Alis Auslegung (itschtihad) und wie falsch auch immer seine Gegner gelegen haben mögen, so haben sie dennoch keine Strafe dafür verdient, denn wer mit seiner Auslegung die Wahrheit findet, erwirbt zwei Verdienste; wer sie nicht findet, hat doch einen Verdienst, nämlich das Verdienst für seine Auslegung, was auch eine Art Gottesdienst ist. Sein Irrtum wird ihm vergeben. Bei uns zuhause hat ein sehr berühmter Mann in bestem Kurdisch gesagt und dabei die Wahrheit gesprochen: Zjie sharri sahaban mäkä qalu wa-qiel, laura djannatiena qaatilu wa ham qatiel. Das heißt:

Zerreiß dir nicht das Maul über den Kampf unter den Sahabis, denn sowohl die, welche töteten, als auch die, welche getötet wurden, sind doch beide Gefährten des Paradieses geworden.

Die absolute Gerechtigkeit und eine relative Gerechtigkeit, können entsprechend der Ausdeutung der Ayah:

Man qatala nafsan bi ghairi nafsin aw fasadin fi'l-ardi fa ka-annama qatala'n-nasi djami'an.

"Wer einen Menschen tötet, es sei denn einen Mörder oder wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, der ist gleich einem, der die Menschheit getötet hat." (Sure 5, 32)

vielleicht folgendermaßen erklärt werden: Die Rechte eines Unschuldigen können nicht zum Wohle der Menschheit für ungültig erklärt werden. Auch darf ein Einzelner nicht dem Wohle der Allgemeinheit geopfert werden. In den Augen Gottes des Gerechten und vor Seiner Barmherzigkeit ist Recht gleich Recht, unbesehen ob groß oder klein. Das kleine darf nicht für das große gelöscht werden. Für das Allgemeinwohl dürfen Leben und Recht eines Einzelnen nicht ohne dessen Zustimmung geopfert werden. Ist er bereit, sie zu opfern, so ist dies eine andere Sache.

Was aber das relative Recht betrifft, so wird der Einzelne dem Wohl aller zum Opfer gebracht. Vor der Gemeinschaft fällt das Recht des Einzelnen außer Betracht. Man bemüht sich darum, eine Art relativer Gerechtigkeit als das geringere Übel zur Anwendung zu bringen. Wo es jedoch möglich ist, absolutes Recht walten zu lassen, darf man eine relative Gerechtigkeit nicht zulassen. Es wäre ein Verbrechen, dies zu tun.

So kann man also sagen, dass Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, wie in der Zeit der beiden Kalifen vor ihm, absolutes Recht zur Anwendung gebracht und so ein Gebäude auf der Grundlage des islamischen Kalifats errichtet hat. Was aber seine Gegner und Widersacher betrifft, so sagen sie, dass dies nicht möglich war, weil es da zu viele Differenzen gab, so urteilten sie dementsprechend auf grund eines relativen Rechts. Was aber die übrigen Gründe betrifft, welche die Geschichte aufzeigt, so handelt es sich hier nicht um die wahren Gründe. Es sind Vorurteile.

Wenn man sagt:

Aus der Perspektive des islamischen Kalifats war Imam Ali eine Persönlichkeit mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, einer wunderbaren Intelligenz und einer hohen Qualifikation (für sein Amt). Warum aber blieb er dann im Vergleich zu seinen Vorgängern so ohne Erfolg?

Antwort:

Diese gesegnete Persönlichkeit war über seine politischen und hochherrschaftlichen Aufgaben hinaus noch weit bedeutenderer Aufgaben würdig. Wäre er auch noch ein perfekter Politiker und ein vollendeter Herrscher gewesen, so hätte er nie zu recht den bedeutenden Titel eines "Königs der Heiligkeit" erlangen können. Dagegen erlangte er ein geistiges Königreich, das weit über ein äußerliches, rein politisches Kalifat hinausreicht und wurde zu einem universalen Meister; ja, dieses geistige Königreich wird noch bis zum Ende der Welt fortbestehen.

Wenn es aber nun um die Schlacht von Hasret Imam Ali gegen Hasret Muaviye und seine Gefolgsleute bei Siffin geht, so handelte es sich dabei um den Kampf zwischen dem Kalifat und dem Sultanat (Königsherrschaft). Das heißt: Hasret Imam Ali nahm die Gesetze des Glaubens (din), die islamischen Glaubenswahrheiten und (die Sorge um das Leben im) Jenseits zur Grundlage und opferte ihr einen Teil der Gesetze des Königreichs und der gnadenlosen Erfordernisse der Politik. Was aber Hasret Muaviye und seine Gefolgschaft betrifft, so vernachlässigten sie alle Erschwernisse (islamischer Vorschriften), bevorzugten hingegen die (zugestandenen) Erleichterungen, um so das islamische soziale Leben mit ihrer Regierungspolitik zu stärken und glaubten, im politischen Leben dazu gezwungen zu sein; und indem sie Zugeständnisse machten, verfielen sie dem Irrtum.

Was aber nun den Kampf von Hasret Hassan und Husseyn gegen die Omajaden betrifft, so handelte es sich hier um einen Streit zwischen religiösen und nationalen Interessen. Das heißt: die Omajaden bauten den islamischen Staat auf der Grundlage des arabischen Nationalismus, setzten ihre Bindungen an den islamischen Glauben (Islamiyet) nach ihrer Bindung an die Nation hinten an und richteten so einen zwiefachen Schaden an:

Erstens:

Sie beleidigten die anderen Nationen und versetzten sie in Furcht.

Zweitens:

Da die Prinzipien des Rassismus und Nationalismus nicht den Gesetzen von Recht und Gerechtigkeit folgen, sind sie verbrecherisch. Sie folgen nicht den Rechtsprinzipien, denn als Nationalist zieht ein Herrscher die eigene Nation vor, handelt nicht rechtmäßig.

Al-islamiyatu djabbati'l-asabiyyete'l-djahiliyyah. La farqa baina 'abdin habeshiyyin wa-sayyidin quraishiyyin idha aslama.

"Die Islamiyet hat abgeschafft, was ihr (in der Zeit der) Unwissenheit voraus ging. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem abbassinischen Sklaven und seinem Herrn vom (Stamme der) Qureysch, nachdem sie einmal den Islam angenommen haben."

Nach diesem Ferman steht fest:

Man kann nicht an Stelle der religiösen Bindungen nationale Bindungen setzen. Tut man dies, so kann es keine Gerechtigkeit geben, das Recht entschwindet.

So bestimmte denn Hasret Husseyn die Bindung an den Glauben zum Grundgesetz und kämpfte als ein Gerechter gegen (die Omajaden) bis er den Rang eines Martyrers erlangt hatte.

Wenn man sagt:

Wenn er denn so rechtschaffen und gerecht denkend war, warum denn hatte er dann keinen Erfolg? Und warum erlaubte es dann die göttliche Vorausschau und auch die göttliche Barmherzigkeit, dass sie einem so schrecklichen Ende entgegen gingen?

Antwort:

Es waren nicht Hasret Husseyns nächste Gefolgsleute, sondern Angehörige fremder Nationen, die sich seiner Gemeinschaft angeschlossen hatten und die nun dank ihres gekränkten Nationalstolzes dem arabischen Volk gegenüber Gefühle der Rache hegten, was nun der reinen und klaren Sache Hasret Husseyns und seiner Gefolgsleute diesen Schaden zufügte und der Anlass zu ihrer Niederlage wurde.

Was nun aber die Weisheit hinter ihrem tragischen Ende, aus dem Blickwinkel der göttlichen Vorausschau betrachtet, betrifft: Hassan und Husseyn, ihre Familien und ihre Nachkommen waren für eine spirituelle Herrschaft vorbestimmt. Es ist sehr schwer, weltliche und geistliche Herrschaft miteinander zu vereinbaren. So bewirkte es denn die göttliche Vorausschau, dass sie einen Ekel gegenüber der Welt empfanden. Sie zeigte ihnen das hässliche Gesicht dieser Welt, sodaß sie sich in ihren Herzen nicht zu dieser Welt hingezogen fühlen sollten. So entglitt denn eine flüchtige und nur oberflächliche Herrschaft ihren Händen; doch wurde ihnen eine glänzende und immerwährende Herrschaft gegeben. An Stelle gewöhnlicher Gouverneure wurden sie zum geistigen Pol unter allen Heiligen.

Zu deiner dritten Frage:

"Worin liegt die Weisheit hinter der Grausamkeit, mit der man diese gesegneten Persönlichkeiten behandelt hat und all der Tragik, die ihnen widerfahren ist?"

Antwort:

Wie bereits oben erklärt, gab es während der Herrschaft der Omajaden drei Grundsätze, welche zur Ursache für die gnadenlose Grausamkeit der Gegner Husseyns wurden.

Der eine war der gnadenlose Grundsatz der Politik: "Für das Wohl der Regierung und die Aufrechterhaltung der Ordnung dürfen einzelne Personen geopfert werden."

Der zweite war der grausame Grundsatz des Nationalismus, dessen Herrschaft auf der Basis von Volk und Nation beruht: "Dem nationalen Wohl darf jedermann geopfert werden."

Der dritte findet sich in dem Gift der Rivalität zwischen den Omajaden und den Haschimiten, einigen Leuten wie Yesid gleich, die eine erbarmungslose Fähigkeit zeigten, grausam zu sein.

Und ein vierter Grund findet sich unter der Anhängerschaft von Hasret Husseyn, welche - da die Herrschaft der Omajaden auf dem Nationalismus der Araber beruhte, welche einzelne Personen anderer Völker als "Ausländer" bezeichneten und als Sklaven betrachteten, welche ihren Nationalstolz kränkten, während diese anderen Volksstämme sich der Gemeinschaft von Hasret Husseyn aus verschiedenen Gründen oder aber um Rache zu nehmen angeschlossen hatten - da sie den nationalen Fanatismus der Omajaden nur allzu sehr berührte, nun Grund genug war für außergewöhnliche Grausamkeit und diese uns wohlbekannte Tragödie.

Die vier oben erwähnten Gründe sind offensichtlich. Betrachtet man sie unter dem Gesichtspunkt der göttlichen Vorausschau, so ist das Ergebnis im Jenseits, die geistige Königsherrschaft und der spirituelle Fortschritt, welchen Hasret Husseyn und seine Gefolgsleute aufgrund dieser Tragödie erlangten, von so hohem Wert, dass die Anstrengung, der sie sich bei dieser Tragödie unterziehen mußten, geradezu als billig und einfach erscheint. Es ist so, als ob ein Soldat nach einer Stunde Folter den Rang eines Martyrers erlangt, wo er doch andererseits ein Jahr hätte kämpfen müssen, um diesen Rang zu erwerben. Könnte man diesen Soldaten, nachdem er das Martyrium erlangt hatte, noch fragen, so würde er sagen: "Ich habe mit nur sehr wenigem sehr viel gewonnen." (Briefe, Nursi)

LichtSTR.de Team

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