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Einleitung

Um gleich damit zu beginnen: Wir müssen gestehen, dass diese Biographie des großen Meisters weit davon entfernt ist, eine vollständige Darstellung seines Lebens zu sein. Sehr viele Abschnitte wurden nur kurz gestreift. Ferner wurde die Mehrzahl der Vorgänge und Berichte, welche der Erhellung der Eigenarten seiner Persönlichkeit und der Offenlegung seiner Charakterzüge dienlich wären, nicht erwähnt. Es gibt sehr viele Ereignisse und Erzählungen, welche die vorgetragenen Ansichten und Überzeugungen bestätigen. Der einzige Grund dafür, dass wir nicht darüber sprechen, ist der, dass er selbst es nicht wollte.

Vor allem erwähnte er sowohl in seinen Gesprächen als auch in seinen Briefen, dass diese Zeit eine Zeit der Gemeinschaft sei, und dass im Dienste des Glaubens persönliche Werte und Vorzüge nicht so wichtig seien wie der Geist dieser Gemeinschaft. So sei denn mehr als ein sterblicher Mensch die Risale-i Nur, deren Ursprung der Weise Qur’ an ist, zu betrachten. Oft gemahnte er daran, dass alle Achtung und Wertschätzung der Wahrheit des Qur’ an gebührt, die in der Risale-i Nur zum Ausdruck kommt. Und als er hörte, dass man seine eigene Biographie vorbereite, sagte er, dass die  Einzelheiten nicht wichtig seien. Es sollen nur diejenigen Themen behandelt werden, die der Risale-i Nur dienen. So die Nachricht, die er schickte. Daraus erwuchs der Grund dafür, dass die Erzählungen, welche seine Person betreffen, aufs Äußerste gekürzt worden sind. Was des Meisters Leben und darüber hinaus den Dienst an der »Nur« betrifft, so haben wir die Briefe, die Verteidigungsreden verschiedener Zeiten, Zeitungsartikel, welche die Ereignisse jener Zeit schildern, gleichsam wie als  Erinnerungsstücke niedergeschrieben. Auf diese Weise bildet dieses Werk eine authentische Quelle für die gebildeten »Nur«-Schüler der Zukunft. Die Herren Schriftsteller und Redakteure mögen mit seiner Hilfe insha-a’llah noch vollkommenere, der Wahrheit gemäßere, nutzbringendere Biographien erstellen.

Dabei möchten wir noch daran erinnern, dass dieses Werk rein und unverdorben erhalten geblieben ist, weil wir seine Abfassung nicht Schriftstellern verschiedener Richtungen und unterschiedliche Charaktere überlassen haben. So ist es also nicht den Übertreibungen der Literaten entsprungen.

Und noch einmal müssen wir bekennen: Wir können den strahlenden und leuchtenden Charakter der Risale-i Nur, sowie Leben und Moral Said Nursis in seiner Person gewordenen Tugendhaftigkeit und wunderbaren Tapferkeit, die ihm Form gaben, nicht durch Stil und Ausdruck in angemessener Weise zur Darstellung bringen. Was dieser Mann mit seinem aus hundertdreißig Einzelteilen bestehenden Gesamtwerk für die Staaten und Nationen, für die islamische Welt und für die ganze Menschheit geleistet hat, wird in diesem Werk nicht erschöpfend genug beschrieben und kann es auch gar nicht. Ein einziger Dienst unter tausend Diensten, die er allen erwiesen hat, ein einziger Abschnitt unter vielen Abschnitten seines Lebens, sein ans Wunderbare grenzender Mut, eine einzige Schrift aus seinem Gesamtwerk würden bereits genügen, eine bedeutende Biographie über ihn zu schreiben. Und es gab darin tausende unterschiedliche Eigenschaften, eine hohe Moral, den Dienst am Qur’ an, die Begeisterung für den Glauben auf seinem Weg nicht nur in einem Dorf, einer Stadt, einem Land…

So haben wir denn in unserem Band über den Meister, seine Natur und Philosophie, die persönlichen Erreignisse, eine ganze Fülle von Charakterzügen und Naturanlagen dieser Persönlichkeit bei der Zusammenstellung dieses Werkes nicht zur Beschreibung gebracht. Es ist notwendig, seinen Schülern und Dienern, die ihn während seiner verschiedenen Lebensabschnitte aus der Nähe beobachtet und erlebt haben individuell zuzuhören und mit ihnen zu sprechen, um eine ausführlichere Biographie des Meisters schreiben zu können.

Es wurde bei dem Studium dieses Werkes sichtbar, dass heute nicht nur für Anatolien und die islamische Welt, sondern für alle Menschen Wahrheiten von weittragender Bedeutung in Erscheinung getreten sind. Diese Wahrheiten – durch die Mitwirkung der Gemeinschaft zur Vollständigkeit ergänzt – werden als »Risale-i Nur und der Dienst am Glauben« und »Bediüzzaman und die Nur-Schüler« bezeichnet. In dieser Biographie tritt klar und deutlich zutage, worin diese Wahrheiten bestehen, was Ursprung, Ziel und Ideal dieser Bewegung sind, welche Einwirkungen sie auf das Volk, das materielle Leben des Einzelnen und der Gesellschaft und auf die Gewährleistung von Glück und Sicherheit der Nation haben. Aufgrund der Ergebnisse kann an diesem Lehrgebäude jeder nur seine Freude haben.

Vielleicht kann man nun folgende Frage stellen:

»Soll Said Nursi vielleicht durch diese Biographie der Menschheit als eine Art Übermensch gezeigt und beschrieben werden?« – Nein!…

Für Menschen, welche das Wesen der Welt und des Lebens kennen, haben vorübergehender Glanz, Ruhm und Ruf überhaupt keinen Wert. Der Mensch, der die Wirklichkeit kennt, schenkt vergänglichen Dingen keine Beachtung, misst ihnen keinen Wert bei, wendet sich von ihnen ab und betrachtet sie nicht. So war auch Said Nursi in diesem Punkt ein großer Held des Geistes. Sein Leben war erfüllt von den verschiedensten Heldentaten, welche die Menschen in Erstaunen versetzten. Er opferte sich auf  dem Wege der Wahrheit, achtete sich selbst für gering und wurde wegen seiner ungewöhnlichen Opferbereitschaft hochgeachtet. In der Gnade Gottes überwand er gewaltige Hindernisse und verbreitete seine heilige Lehre, ohne zu zögern, entgegen hunderter ablehnender Bewegungen und Haltungen seiner Zeit und bewahrte sie. So bewies er, dass er auf dem Wege von Recht und Gerechtigkeit sich selbst und alle seine persönlichen Interessen bereits vollständig geopfert hatte.

Ja, Said Nursi hat durch das Genie seiner Persönlichkeit den Menschen in der Welt nicht etwa einen neuen Weg geöffnet. Diese Persönlichkeit hat all ihre Fähigkeit und ihr Ansehen einer ewigen Wahrheit in den Dienst gestellt und diese Wahrheit, die über allen Zeiten herrscht, erneut zu seiner Botschaft (dava) gemacht. In seinem Sein und Werk kommen alle jene hohen Eigenschaften und Vorzüge zum Vorschein und spiegeln einzig die Heiligkeit seines Rufes wider. So wie eine Lampe, die sich inmitten tausender Spiegel befindet, je nach der Zahl dieser Spiegel noch erheblich an Wert gewinnt und in ihrer Mitte lichter und heller erstrahlt, weil in jedem Spiegel mit dem Licht eine neue Lampe zu erstrahlen beginnt, so war auch Bediüzzaman auf Hazret-i Muhammed, mit dem Friede und Segen sei, ausgerichtet, welcher den Weisen Qur’ an und den Islam in einer Weise erklärt, die allen zugänglich ist, eine geistige Sonne über allen Zeiten für diese Welt und ihre Bewohner. In ihrem Lichte erschien, einem Sprachrohr gleich, die Risale-i Nur zu geistigem Wachstum, ein lichtvolles Werk, ein heiliger Ruf, Segen und Kraft hunderttausender Menschen. Einem Spiegel gleich lebt sie in Herz, Sinn und Verstand und mit ihr das Andenken eines vorbildlichen Menschen und großen Denkers.

Das also sind die Werte, die ihn geistig über das Leben hinaus erhoben haben. Er brachte den Irrlehren entgegen aus den zum Opfer bereiten Gläubigen eine geistige Gemeinschaft hervor, richtete den Qur’ an wie einen starken Wall auf und gab so den Gläubigen einen Stützpunkt. Er bezeigte einen festen und beständigen Glauben an seinen Heiligen Ruf, erweckte die Begeisterung in den Herzen der Gläubigen und entfachte in ihrem Geiste das Feuer der Liebe für den Islam. Er war bemüht, jenen bedauernswerten Menschen, welche das Vergängliche anbeten, Ewigkeit und Unsterblichkeit zu weisen und ihre Blicke darauf zu lenken. Trotz seiner hohen Aufgabe und seines frommen Dienstes war er sich jedoch in den menschlichen Pflichten gegenüber all seiner Fehler, Mängel und Schwächen stärker und schmerzlicher bewusst als jeder andere. Arm und schwach flehte er vor der Wohnstatt des Allbarmherzigen; in dem Verlangen nach dem Erbarmen und der Glückseligkeit für die Menschen, ein geliebter Knecht, arm und bedürfnislos. Ja er hat gesagt: »Wenn ich den Glauben eines Menschen retten kann, dann ist mir selbst noch die Hölle ein Rosengarten. « Er hat nicht nur die Götzen der Eigenliebe und des Stolzes zerbrochen hinter sich gelassen, es ist einem jeden – Freund wie Feind – bekannt, dass er auch den Materialisten in dieser Welt, die alle Ursachen nur der Natur zuschreiben, ihre Götzen umstürzte und ihnen damit gleichsam einen Dienst erwies.

So sind also die Schriften über Bediüzzaman, die ihn loben und ehren, in diesem Geiste verfasst worden.

Aus manchen von Zeit zu Zeit in der Presse erscheinenden Veröffentlichungen weiß man, dass die Feinde des Glaubens und des Islam sich meistens Ausreden suchen und sich hinter Vorwänden verstecken, von wo aus sie die Religion angreifen. Sie sind nicht geradeheraus gegen den Islam und gegen den Glauben. Sie greifen diejenigen an, die der Religion dienen und trotz der verschiedensten Schwierigkeiten Opfer auf sich nehmen; diese stellen sie in den Augen der Öffentlichkeit als schlecht hin und fallen über sie her, um die Liebe des Volkes zu ihnen zu zerstören. So wollen sie die Diener des Glaubens veranlassen, ihre Aufgabe aufzugeben und so die Entfaltung des Glaubens verhindern. Damit erreichen sie dann, dass sich Glaubens und Sittenlosigkeit ausbreiten. Wenn in einer demokratischen Staatsform von Glaubensfreiheit die Rede ist und gleichzeitig gesagt wird: »Religion ist Opium für das Volk«, dann lässt sich leicht begreiflich machen, wie Glaubensbrüder und insbesondere diejenigen, die in den Dienst der Verbreitung des Islam getreten sind, durch Verlautbarungen vom Katheder des  Regierungssprechers herab behandelt werden.

Solche fanden sich auch unter der damaligen Regierung unter denen, die den Bediüzzaman und die »Nur«-Schüler vor Gericht brachten. Sie verstecken sich hinter dem Vorhang des Gesetzes und übler Ideologien und handelten dahinter entsprechend ihrem persönlichen Hass und Geifer. Ihre Pflicht hätten sie tun sollen. Stattdessen griffen sie Bediüzzaman und seine Schüler an, verleumdeten sie und behandelten sie, als wären sie Staatsfeinde und Volksverräter. Und auch nachdem das Gericht sie bereits wieder freigesprochen hatte, ließen einige von denen, die mit der Durchführung der Gesetze beauftragt waren, in schamloser Weise das Gerücht verbreiten, Bediüzzaman werde bald hingerichtet werden.

Wenn wir dies niederschreiben, möchten wir uns keineswegs gegen sie aussprechen, sondern lediglich der Wahrheit die Ehre geben. Vielleicht sind die meisten von ihnen für dieses Verhalten zu entschuldigen, handelten unter Zwang. Wie immer es gewesen sein mag, so beweist doch dieses Verhalten, wie heimliche Atheisten in den Kommiteen ihre Wühlarbeit betreiben, während Bediüzzaman vor Gericht gestellt und ihm der Prozess gemacht wurde. Sie konnten ihn vor Gericht nicht verurteilen und nicht den Ruf des Geistes zunichtemachen. So brachten sie Ungerechtigkeiten, Verleumdungen und eine verlogene Propaganda gegen ihn auf. Alle gerechten Menschen, die diesen peinlichen Zustand sahen, zögerten nicht, zu äußern, dass er ein aufrechter Mann des Glaubens und der Wahrheit sei. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Würdigung Bediüzzamans und seine Laudatio und die Risale-i Nur beständig und immer wieder neu herausgegeben werden müssen, ohne kritisiert zu werden. Wer diesen Mann und seine Werke aufmerksam betrachtet, kann nicht umhin, ihm größtes Lob und höchste Anerkennung auszusprechen.

Insbesondere die Gerichte und die Untersuchungskommissionen, denen er ausgeliefert war und die sein Leben und Werk durchforscht haben, bestätigen danach die in seinen Werken aufscheinende Schönheit und Vollendung. Deshalb haben sich innerhalb der einsichtigen und klar denkenden Schichten des Volkes, bei Leuten mit Herz und Verstand, seit einem halben Jahrhundert die Ansichten und Auffassungen über Said Nursi und die Risale-i Nur gehalten und im Volke verbreitet. In der Tat erweist es sich als notwendig, hierin die Bestätigung für das Aufscheinen einer großen Wahrheit zu erblicken.

Frage: Gehen wir einmal von der Tatsache aus: Gott ist allwissend. Seine allwissend wohlwollende Zuwendung genügt. Große vollendete Persönlichkeiten verbergen sich immer. Was dagegen die Wahrheit in einer ewigen Welt betrifft, so wird sie unverhüllt in deren Mitte ausgegossen. Warum wird dann die Vortrefflichkeit der Risale-i Nur, Gottes Gnade und Freigiebigkeit so häufig erwähnt? Warum wurde dann dieser bewunderungswürdige Erfolg, wie er Said Nursi nach außen hin durch seinen Dienst am Qur’ an erwuchs, wie auch seine gleichzeitig wachsende innerliche Vollendung an die Öffentlichkeit gebracht? Und warum wird überdies eine derartige Lobeshymne auch noch an die meisten seiner wissenschaftlichen Werke angehängt?

Antwort: Bezüglich dieses Themas finden sich überzeugende Antworten in verschiedenen Briefen. Hier eine kurze Zusammenfassung: Der Dienst der Veröffentlichung der Risale-i Nur Bediüzzamans geschieht unmittelbar im Namen des Qur’ an. Dies wird um der Überzeugung eines jeden willen ins Gedächtnis gerufen zur Verbreitung der Wahrheiten des Glaubens, zur Stärkung und Festigung der Muslime im Glauben und in der Folge dessen zur Erhöhung der Religion des Islam, um die Angriffe der Feinde der Religion zurückzuweisen und um in der Welt bekannt zu machen, dass die Religion des Islam unter den  Menschen nach innen und außen die Quelle und Essenz der Vollendung ist. Wie bereits oben erwähnt waren die Angriffe derer, die gegen ihn waren, dermaßen ungerecht. Said Nursi hat gegen schrankenlose Widersacher zahlreichen mächtigen Feinden ins Gedächtnis gerufen, dass die Schüler der Risale-i Nur, zwar gering an Zahl, arm und schwach, aber dennoch stark im Geiste, in der Güte Gottes unsichtbare Hilfe, Ermutigung, Beharrlichkeit und inneren Halt empfinden, der aus der Risale-i Nur erwächst, die Anerkennung des Dienstes darstellt und die Gnade des Herrn ist, wodurch sie sich nun gegen ungerechte Angriffe und grundlose Verleumdungen verteidigen können.

Des Weiteren schreibt Bediüzzaman in einem vorangegangenen Brief über seine Biographie:

»Ich muss gestehen, dass kein Grund dafür gegeben ist, dass ich der Ehre der Veröffentlichung eines solchen Werkes für würdig erachtet werden könnte. Aber es entspricht der Macht Gottes und Seinem Ruhm, aus einem völlig unbedeutenden Samenkorn einen Baum so groß wie ein Berg entstehen zu lassen, ein Ausdruck Seiner Wirkweise und ein Beweis Seiner Herrlichkeit. Ich schwöre und versichere: Ich habe nur den Ruhm der Risale-i Nur im Sinn, die Wahrheit des Qur’ an, eine Säule, den Glauben zu stützen, zu beweisen und zu verbreiten. Ich danke hunderttausendmal meinem allbarmherzigen Schöpfer, dass Er mich nicht selbstzufrieden werden ließ, dass Er mir meine Fehler und Mängel gezeigt hat und ich nicht mehr den Wunsch habe, anderen meine triebverhafte Seele noch als angenehm erscheinen zu lassen. Es ist eine bedauernswerte Dummheit und ein Schaden, der Entsetzen einflößt, wenn ein Mann am Tore des Grabes wartet und die scheinheilige Eitelkeit dieser Welt nicht betrachtet. Aufgrund dieser meiner seelischen Verfassung weise ich auf die Vorzüge der Risale-i Nur als Eigentum des Qur’ an hin, welche nur ein Sprachrohr der Wahrheit des Glaubens ist. Die in meinen Worten und Werken enthaltene Wahrheit und Vollkommenheit ist nicht von mir, sondern ist vielmehr Gut des Qur’an und ein Tropfen aus dem Qur’ an. Da ich ein Vergänglicher bin und gehen werde, sollen und dürfen ganz gewiss bleibende Dinge und Werke nicht von mir abhängig sein. Ja, man sucht des Weines geschmackvolle Trauben nicht am dürren Weinstock. Siehe, auch ich werde wie solch ein dürrer Weinstock beurteilt.«

Ja, obwohl Said Nursi für die Risale-i Nur im Dienste des Qur’an und des Glaubens gegen die Gottlosen und die Gegner des Islam von Seiten des Volkes und der Regierung viel Hilfe, Unterstützung und Förderung benötigte, wurde er ganz im Gegenteil verleumdet, verdächtigt und eingesperrt. Es wurde gegen ihn intrigiert. Seine Werke wurden vernichtet. Um ihm das Volk zu entfremden, wurden die verschiedensten Bezichtigungen gegen ihn erhoben. Sicherlich fühlte er sich in seinem Wissen um die Wahrheit dazu verpflichtet, im Dienste an dem ehrwürdigen Qur’an und dem Prophetentum des verehrten Gesandten die Wahrheit zu sagen und zu verteidigen, um sie von gegnerischen Verleumdungen frei zu halten. Selbst angenommen den Fall, es wäre ihm von Seiten einiger Leute persönliche Schwäche angelastet worden, so hätte er doch zu Glück und Wohl der Allgemeinheit persönliche Nachteile mit in Kauf genommen. Deswegen ist es notwendig, bei der Betrachtung rühmender Darlegungen und Veröffentlichungen hinsichtlich der Risale-i Nur die obigen Punkte zu beachten, weil man sonst dem Dienst schaden würde.

Wir befinden uns nicht in einer Zeit, wo das Denken sich in engen Kreisen bewegt. Die Ungläubigen streben danach, ihren eigenen schlechten Ruf, ihre negativen Ideologien, ihre Pseudo-Helden, welche eigentlich Feinde des Islam sind, vor der Menschheit mit Lob und Anerkennung darzustellen, die sie nicht verdient haben, um dafür Beifall zu ernten. Es ist nicht notwendig, noch weiter zu gehen. Wenn aber nun diejenigen, welche diese entsetzlich gottlose Strömung lenken, von der unsere Welt schon umspült ist, als großartige Helden hingestellt werden, warum sollen dann die Muslime ihren wahren Glauben nicht rühmen und preisen, seine Hoheit und Vollendung nicht verkünden? Warum soll dann ein Gesamtwerk – ein Spiegel des Qur’ an und eine Herausforderung an die gottlosen Strömungen unserer Zeit und Durchführung eines sehr großen Dienstes – und sein ehrenwerter Verfasser, der währenddessen auch noch grenzenlosen Ungerechtigkeiten ausgesetzt bleibt – nicht gelobt werden? Dieses Werk, welches hier niedergeschrieben werden soll, ist keine abstrakte Abhandlung, sondern größten Teils als eine Antwort auf die Verleumdungen der Gegner gedacht und eine Veröffentlichung von Tatsachenmaterial.

Das Leben des Meisters aus diesem Blickwinkel seines allumfassenden Dienstes betrachtet, teilt sich in zwei Phasen ein.

Erste Phase: Sein Leben von seiner Geburt an, Erziehung, Ausbildung und Studium, sein Aufenthalt in Van, der Verlauf der Ereignisse in Istanbul, sein politisches Leben, seine Reisen, Teilnahme am Weltkrieg, Gefangenschaft in Russland, Mitgliedschaft in der Daru-l’Hikmeti-l’Islamiye (Haus der islamischen Wissenschaften) in Istanbul, Dienst bei Kuva-yi Milliye (die Nationalen Streitkräfte) in Istanbul, Tätigkeit im Abgeordnetenhaus in Ankara.

Kurze Zeit später wollte er sich wieder nach Van zurückziehen, um dort das Leben eines Einsiedlers zu führen. In dieser ersten Phase des Lebens des Meisters stellt jeder einzelne Abschnitt wieder einen anderen Akt auf der Bühne seines Lebens dar. Die erste Phase seines Lebens trug entscheidend zur Vorbereitung der zweiten im Dienste des Glaubens und des Qur’ an bei. Nun war er zu dem zweiten großen Dienst bereit. Er hatte das fünfzigste Lebensjahr erreicht.

Zweite Phase: Diese beginnt mit seiner Verbannung von Van, wo er ein Einsiedlerleben geführt hatte, nach Barla im Westen, im Bezirk Isparta. Man hatte ihn dazu beauftragt, dort Wohnung zu nehmen. Dort erschien auch die Risale-i Nur. Von dort aus wurde sie verbreitet. Diesen Dienst für den Glauben und diesen geistigen Einsatz für die Religion leistete er, indem er sich mit der  Risale-i Nur befasste mit größter Aufrichtigkeit, mit höchster Opferbereitschaft, mit höchster Ergebenheit, mit Ausdauer, Aufmerksamkeit und Bedürfnislosigkeit.

Zu dieser zweiten Phase seines Lebens: Am Ende des Weltkrieges ist Zerstörung das Ergebnis. In der Welt sind Zivilisation und Humanismus unter den Menschen vernichtet. Das kommunistische Regime, das sich die Bekämpfung der »himmlischen Religionen« zum Grundsatz gemacht hat, beherrscht die Hälfte der Menschheit, verbreitet Angst in der Welt, versucht unser Land zu bedrohen und die geistige Zerstörung bleibt eine beständige Gefahr in unserer Epoche. Und diese Epoche sollte eine Epoche werden, die von einer Nation von Helden aufmerksam studiert wird, die tausend Jahre die Fahne des Qur’ an vorangetragen und für ein ganzes Zeitalter dem Islam gedient haben.

Bei der Abfassung der Risale-i Nur erwähnte der Meister, dass diese Werke, die wie ein Lichtglanz von dem Qur’ an ihren Ausgang nehmen und ihren Siegeslauf durch alle Schichten der menschlichen Gesellschaft antreten, eine atheistische Invasion in unserem Lande verhindern werden. Er erblickte ihre Aufgabe darin, zum Wohle von Volk und Staat einen Schutzwall um den Qur’ an zu bilden. Durch den Dienst an der Risale-i Nur sollte das Volk gewonnen werden. Das türkische Volk sollte wieder zu einer heldenhaften und opferbereiten Truppe des Islam werden. Und das Ergebnis der Verbreitung der Risale-i Nur und ihrer späteren öffentlichen Förderung, ihrer Übernahme durch das Volk und der Anerkennung der Wahrheit des Qur’ an durch das Kultusministerium: materieller und geistiger Aufstieg der Nation durch die starke Kraft des Islam.

Die Risale-i Nur – eine Standarte, ein Präludium, ein Epos auf die Wahrheit des Qur’ an, aufgeführt in unserer Zeit. Sie ist eine Liebeserklärung unserer edlen Nation an den Islam, der unübertroffen ist in seiner Menschlichkeit, ein Ausdruck des Erwachens eines neuen, jungen und frischen Glaubens voller Liebe und Begeisterung. Darin finden wir die Lebensbedingungen in einem veränderten Zeitalter, die Ordnung für eine neue Welt und sie ist hinsichtlich der Glaubensanschauungen bedeutend für den mit Kraft und Stärke verbundenen Eifer und die islamische Begeisterung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Menschen heranwachsen, die zu opfern bereit und wach geworden sind, deren Herzen sich im Glauben, hoher Sittlichkeit und in der Liebe zum Propheten begeistern.

Bediüzzaman hat in der Risale-i Nur, von niemandem öffentlicher- und privaterseits beeinflusst, ohne einen materiellen

oder geistigen Vorteil daraus zu ziehen oder seine eigene seelische Haltung mit hinein zu verflechten, die Allgemeinheit unmittelbar aus der Weisheit des Qur’ an zu fördern verstanden und, indem er die Allgemeinheit ansprach, ihr die Tatsachen gedeutet und so der Wahrheit Ausdruck verliehen. Aus den Werken, die er verfasste, vermag jeder einen Nutzen zu ziehen. Sie sind nicht nur für eine einzelne Gruppe, eine Klasse des Volkes bestimmt. Diese Biographie wird die Blicke der Leser auf die Risale-i Nur richten, welche das Licht der Weisheit des Qur’ an ist in dieser Zeit, und daraus wird sich ihr Nutzen erweisen. Said Nursi jedoch arbeitete opferfreudig im Dienste des Qur’an und erwies sich in der Befolgung prophetischer Tradition als eine Persönlichkeit, welche ein Beispiel zur Nachahmung gibt. Was die Biographie betrifft, so ergibt sich aus einigen nachgelassenen Briefen Folgendes:

Said Nursi hatte einige Zeit lang als Philosoph in seinem Werdegang große Fortschritte gemacht. Danach war er unter der weisen Führung des Qur’ an in der Wahrheit und Gerechtigkeit herangereift, hatte sich mit den theoretischen und praktischen Wissenschaften beschäftigt und sodann sein Werk herausgebracht, um diejenigen, die bis dahin Zweifel und Unsicherheit ausgesetzt waren, von ihren Unsicherheiten durch vernunftgemäße Beweise zu befreien.

Weg und Wegleitung ist unter den Lebensbedingungen unserer Zeit und in Anbetracht des seelischen Zustandes des Menschen die Straße des Qur’ an: die sicherste, kürzeste und umfassendste, die vom Anfang bis zum Ende über Kenntnis und Nachdenken führt. Für alle, die im gesellschaftlichen Leben die verschiedensten Aufgaben verrichten, ist sie ein großer Gewinn. Wer die Risale-i Nur liest und die Lehre daraus zieht, gewinnt einen durchdachten Glauben und macht seine weltlichen Aufgaben und Pflichten zu einem Anlass, das Leben danach und das Ewige Glück vorzubereiten und eine große Seligkeit zu erlangen. Die Gebildeten, welche diese große Wahrheit in der Religion des Islam erfasst haben, werden es sicherlich als großes Glück empfinden, den Dienst am rechten Glauben auf sich zu nehmen und unter der Menschheit, die die Wahrheit sucht, aber nicht findet, zu verbreiten. Ja, Schüler, Professoren, Abgeordnete, wer immer es auch sei und zum Kreis der Verantwortlichen gehört, sind verpflichtet, in ihrer Umgebung Klarheit darüber zu bringen. Es ist jedoch unbedingt erforderlich, dass diejenigen, die für Glück und Sicherheit einer Stadt, ja sogar eines Landes und dessen erleuchtete Führung verantwortlich sind, noch weit mehr Umsicht an den Tag legen. Said Nursi hat diesem Volke mit der Risale-i Nur einen großen Dienst erwiesen und ihm damit großen Nutzen gebracht. Als Gegenleistung erwartet er für seine Person noch nicht einmal Dank, obwohl an seine Person Briefe gerichtet wurden, die ganze Lob- und Preishymnen enthalten. Er hat sie nur zugunsten der Risale-i Nur angenommen, damit sie den Lesern ein Zeichen für den Wert der Risala seien. – Wahrlich – was Said Nursi von diesem Volk und seiner Jugend erwartete: sich durch den Glauben ihr Glück im Diesseits und im Jenseits zu verdienen. Deshalb stellte er die Risale-i Nur auf die Grundlage des Qur’ an als das Lehrwerk seiner Zeit. Er wollte, dass die Wahrheit des Qur’ an an jedem Platz und in jedem Kreise verbreitet werde. Er wies öfter darauf hin, dass die Risale-i Nur für Volk und Staat das einzige Heilmittel gegen eine zuwiderlaufende  Entwicklung sei. Dies war seine gute Nachricht.

Diejenigen, welche den Dienst des Meisters, der doch nur auf das Wohlgefallen Gottes ausgerichtet war, seine Haltung und seine Tüchtigkeit anderen Zielen und Zweckenzuschreiben wollen, verraten damit lediglich ihren Mangel an Scharfsinn. Die Größe menschlichen Wesens und das wahrhaft ersehnte Glück seines Geistes strahlt nur am Horizont des leuchtenden Pfades göttlichen Wohlgefallens auf, den der Qur’ an weist. Wenn Bediüzzaman der Menschheit diesen Horizont und den Weg der dahin führt, weist, so verkündet er damit in der Risale-i Nur den Gefährten des Rechten Weges, wie unbedingt notwendig es ist, sich dem lichten Zug der Karawane anzuschließen; und das beweist er dem Menschen auch.

So möchten wir denn mit der Vorbereitung dieses bescheidenen Werkes der Wahrheit einen kleinen Dienst erweisen. Wir geben dieses Werk heraus als eine authentische Quelle für alle diejenigen, die sich glücklich schätzen dürfen, zu den Gebildeten der Zukunft zu gehören. Eine Biographie von noch größerer Breite und Tiefe vorzubereiten, ist unser Wunsch.

وَمِنَ اللهِ التَّوْفِيقِ

»…und führwahr von Gott der Erfolg!«

Die Herausgeber

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