Geschrieben für die Kranken als eine Salbe, eine Tröstung, ein geistiges Rezept, an Stelle eines Besuches am Krankenbett und als ein Wunsch zur Genesung.

Erinnerung und Entschuldigung

Dieses geistige Rezept ist schneller als alles bisherige geschrieben worden AnmBl25_01. Wir haben bei dieser Abhandlung im Gegensatz zu anderen noch nicht einmal Zeit gefunden für Korrekturen und die sonst übliche Sorgfalt. Auch dabei waren wir so schnell wie bei der Abfassung, so dass wir diese Abhandlung nur einmal durchgelesen haben. Sie wurde gleich als Manuskript gedruckt. Wir haben es nicht mehr für notwendig gehalten, das, was uns so frisch und natürlich als Einfall vom Herzen kam, noch einmal zu überprüfen, um es nicht durch erkünstelte Sorgfalt wieder zu zerstören. Die verehrten Leser, besonders aber die Kranken mögen mir nicht böse sein, wenn ich sie durch einige unbequeme Bemerkungen oder ernstgemeinte Worte und Darstellungen beunruhigt habe. Außerdem bitte ich um ihr Gebet!

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ


اَلَّذِينَ اِذَا اَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قَالُوا اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّا اِلَيْهِ رَاجِعُونَ ٭

وَالَّذِى هُوَ يُطْعِمُنِى وَيَسْقِينِ ٭ وَاِذَا مَرِضْتُ فَهُوَ يَشْفِينِ

»Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Sie sagen, wenn ein Übel sie trifft: ›Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir wieder zurück.‹« (Sure 2, 156) »Und wenn du krank bist, gibt Er die Genesung!« (Sure 26, 79-80)

In diesem Funken erklären wir kurz »fünfundzwanzig Heilmittel« für die Kranken und die Unglücklichen, die ein Zehntel der Menschheit bilden, als eine wahre Tröstung und heilende Salbe.

Erstes Heilmittel: Oh du hilfloser Kranker! Mach dir keine Sorgen! Habe Geduld! Deine Krankheit dient dir nicht zu Kummer und Sorge, sondern zum Heil. Das Leben ist ein Kapital und es vergeht. Wenn es keine Frucht bringt, büßt man es ein. Mag es auch ein ruhiges und sorgloses Leben, das in Gottvergessenheit vergeht, sein! Es vergeht sehr schnell. Die Krankheit lässt dir aus diesem deinem Kapital einen großen Verdienst als Frucht erwachsen. Ja, sie lässt der raschen Vergänglichkeit dieses Lebens keinen Raum, bewahrt es, verlängert es… damit die Früchte bleiben, nachdem es vergangen ist. Als einen Hinweis dafür, dass das Leben durch eine Krankheit verlängert wird, wurde dieses Sprichwort zum Allgemeingut: Im Unglück wird die Zeit sehr lang, im Glück jedoch sehr kurz.

Zweites Heilmittel: Oh du ungeduldiger Kranker! Sei geduldig, ja, sogar dankbar! In dieser deiner Krankheit wird jede einzelne Minute zu einer Stunde der Anbetung. Denn es gibt zwei Arten der Anbetung. Die eine ist die positive Art anzubeten, nämlich die bekannte Art des Pflichtgebetes und des Bittgebetes. Die andere Art ist die negative; durch Krankheit und Unglück fühlt der vom Leid Betroffene seine Hilflosigkeit und Schwäche, nimmt zu seinem barmherzigen Schöpfer Zuflucht, fleht inständig zu Ihm, gelangt zu einem reinen, ungeheuchelten, innerlichen Gebet. Ja, ein Leben in Krankheit verbracht, ohne dabei Allah anzuklagen, gilt für den Gläubigen als Anbetung, wofür es eine echte Überlieferung gibt. Auf Grund dieser echten Überlieferung und wahrhaftigen Entdeckung steht sogar fest, dass eine Minute Krankheit bei manchen geduldigen und dankbaren Kranken gleich einer Stunde Anbetung, bei einigen Vollendeten eine Minute gleich einem Tag der Anbetung gilt. Klage deine Krankheit, die dir für eine Minute deines Lebens tausend gibt, und dir zu einem langen Leben verhilft, nicht an, sondern sei dankbar!

Drittes Heilmittel: Oh du Kranker ohne Ausdauer! Der Mensch ist nicht in die Welt gekommen, um nach seiner Lust und Laune zu leben. Zeugnis dafür gibt das ständige Kommen und Gehen der Menschen. Die jungen werden alt, und sie alle werden zwischen Tod und Trennung ständig umhergetrieben. Und obwohl der Mensch unter den Lebewesen das vollkommenste, höchste, hinsichtlich seiner Anlagen reichste, ja, sogar der König aller Lebewesen ist, verbringt er dennoch, verglichen mit den Tieren, nur ein trauriges und kummervolles Leben auf der untersten Stufe, weil er ständig über vergangenes Glück und kommendes Unheil nachdenkt. Das heißt, dass der Mensch nicht in diese Welt gekommen ist, nur um sich ein schönes Leben zu machen und ruhig und unbeschwert seine Zeit zu verbringen. Er ist vielmehr hierher gekommen als ein Mensch, in dessen Händen sich ein gewaltiges Kapital befindet, um Handel zu treiben und zu arbeiten für ein immer und ewig glückseliges Leben. Das Kapital, das ihm an die Hand gegeben wurde, ist die Spanne seines Lebens. Gäbe es keine Krankheit, würden ihn Gesundheit und Wohlbehagen zur Gottvergessenheit verleiten… Die Welt erschiene ihm als ein Freudental. Das Jenseits geriete in Vergessenheit. Man möchte nicht an Grab und Tod erinnert werden, möchte das Kapital seines Lebens wie im Leerlauf für hohle Vergnügungen ausgeben, doch die Krankheit öffnet ihm plötzlich die Augen und spricht zu ihm, zu seinem Körper: »Du bist nicht unsterblich, nicht ungebunden, du hast eine Aufgabe. Lass deinen Stolz! Denke an den, der dich geschaffen! Wisse, dass du ins Grab steigen wirst! Bereite dich also darauf vor!« So ist also die Krankheit von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ein Mahner, der niemals betrügt und ein warnender Lehrer. In dieser Hinsicht sollte man sie nicht anklagen, vielmehr ihr dankbar sein und – wenn es einem zu schwer wird – um Geduld bitten…

Viertes Heilmittel:

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Blitze – Kommentare zu Qur´an von Bediüzzaman Said Nursi aus dem Risale-i Nur Gesamtwerk