Salaam aleykum,
Unser Vater im Himmel
Warum nur im Himmel?
Das ist ein Missverständnis bezüglich des Ausdrucks 'im Himmel'. Der Ausdruck im Himmel bedeutet nicht zwangsläufig dass Gott über unserer Erde im Universum ist. Im selben Sinne wie der Ausdruck 'in den Himmeln' (arab. fi-samawaat) nicht zwangsläufig bedeutet dass Allah im Universum ist. Sowohl klassische christliche als auch islamische Theologie vertritt den Standpunkt dass Gott sich außerhalb seiner Schöpfung befindet und der Ausdruck 'im Himmel(n)' auf das gleiche hindeutet. Dies ist auch mit der semantischen Bedeutung dieses Ausdruckes vereinbar.
Geheiligt werde dein Name
Allahs Namen sind heilig , warum der Konjunktiv?
Dies ist wieder ein Missverständnis. Gott hat gemäß viele Namen, aber das Singular zur anrufung benutzt wird wird damit auf den größten Namen Gottes bezug genommen. Der Satz bedeutet somit nicht dass nur dieser eine Name heilig ist sondern dass speziell der größte aller Namen Gottes von all seinen Geschöpfen heilig gesprochen werden soll.
dein Reich komme
Ist das jetzt iim Diesseits oder Jenseits gemeint? Denn Jesus (a.s.) hat doch gesagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Wenn das Jenseits gemeint ist - Das kommt sowieso. Warum noch darum bitten? Denn der Tag der Auferstehung ist Fakt. Oder ist damit gemeint, dass Gottes Gesetze auf Erden herrschen sollen?
Bezüglich der bedeutung des 'Reiches Gottes' gibt es unterschiedliche Meinungen. Die weitverbreiteste Meinung bezieht dies auf Jenseits, während manche Theologen es auf das 2. Kommen von Jesus Christus, mit dem Friede sei, bezogen. Eine andere Meinung besagt das sich das Reichs Gottes im Jenseits sich im Diesseits manifestiert.
Was deinen Einwand betrifft setzt dieser eine Sichtweise des göttlichen Schicksals voraus demgemäß Bittgebete für etwas was bereits festgeschrieben steht unnötig oder gar schädlich ist. Ich denke allerdings nicht dass du diese Art von Sichtweise des Schicksal beweisen kannst oder beweisen willst. Wenn ich dein Argument falsch verstanden habe korrigiere mich bitte.
Dein Wille geschehe.
Allahs Wille geschieht immer, ob wir nun wollen oder nicht.
Das ist so ziemlich derselbe Einwand wie zuvor. Hierbei handelt es sich um ein Bittgebet und wie bereits gesagt schließt eine zuvor von Allah festgeschriebene Aktion nicht den Nutzen von Bittgebeten aus.
wie im Himmel, so auf Erden.
Allahs Wille geschieht doch überall? Warum diese Begrenzung?
Gemäß klassischer Theologie bezeichnet der Ausdruck 'im Himmel wie auf Erden' die gesamte Schöpfung, ähnlich dem arabischen Ausdruck 'in dem Himmeln und auf der Erde' (arab. fi samawaat wal ard).
Unser tägliches Brot gib uns heute,
Das ist die Bitte um Rizq ( Lebensunterhalt), aber warum nur "heute"?
Dies wird als ein indirekter Hinweis verstanden das dieses Gebet täglich vollzogen werden sollte und nicht nur in seltenen Fällen.
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Stellt sich da der Mensch nicht auf eine Stufe mit Gott? Wie können wir so Allvergebend sein wie Gott? Es klingt auch ein bisschen so, als wollte der Mensch Gott eine Bedingung stellen: "Schau, wir vergeben denen, die uns Unrecht getan haben, jetzt mach das auch mal".
Ebenso wie in islamischer Theologie wird in christlicher Theologie zwischen Sünden gegen Gott und Sünden gegen individuellen Menschen unterschieden. Wenn also ein Muslim oder Christ ein Unrecht gegen einen Menschen begeht muss man neben Gott auch diesen Menschen um Verzeihung bitten. Ich sehe nicht inwieweit man sich hierbei auf eine Stufe mit Gott stellt. Vielleicht könntest du darauf näher eingehen.
und führe uns nicht in Versuchung
Ist denn vielmehr das Leben auf der Erde für uns nichts weiter als eine Prüfung? Außerdem widerspricht das doch arg meinem Gottesbild, denn demnach wäre es ja Gott, Der uns in Versuchung führen würde, aber das ist doch Satan. Es klingt auch beinahe so, als würde Gott "Schuld" sein (estaghfirullah!), wenn wir sündigen, weil Er uns ja in Versuchung geführt hat.
In diesem Punkt würde ich dir teilweise zustimmen, allerdings führen deine Überlegungen ein wenig zu weit. Zunächst einmal ist es richtig das diese Welt als eine Prüfung angesehen wird, allerdings bedeutet dass nicht das man darum ersuchen sollte schweren Prüfungen ausgesetzt zu werden. Ebenso ist im Islam eine weit verbreitete Sichtweise die, dass man nicht Allah darum bitten sollte harten prüfungen ausgesetzt zu werden sondern im Gegenteil darum bitten solltest nur wenigen und möglichst einfachen Prüfungen ausgesetzt zu werden. In genau der selben Weise wird auch dieser Vers in klassischer Exegese verstanden.
Wo ich dir zustimme ist dass der Ausdruck unglücklich gewählt zu sein scheint, aber man sollte fair sein und eine mögliche harmonisierung zulassen bevor man so weitreichende Schlussfolgerungen zieht. Ich muss sagen ich bin was diesen Punkt angeht nicht so sehr bewandert mit unterschiedlichen Meinungen aber ich werde mich über dieses Thema informieren.