260.000 Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen sind Muslime. Die Landesregierung zählt ihre schulische religiöse Bildung zum Auftrag der öffentlichen Schulen. Das Land bietet ihnen deshalb einen religionskundlichen Islamunterricht an. Diesen Unterricht hat das Schulministerium 1986 in Grundschulen, in den Neunziger Jahren auch in den Schulen der Sekundarstufe I eingeführt.
Die Islamische Unterweisung wird in zwei Formen erteilt:
- als Teil des in Nordrhein-Westfalen staatlichen muttersprachlichen Unterrichts in Türkisch, Arabisch und Bosnisch
- seit 1999 als eigenständiges Unterrichtsfach in deutscher Sprache im Rahmen eines zeitlich nicht befristeten Schulversuchs.
Inzwischen ist die Zahl der am Schulversuch beteiligten Schulen auf 120 Schulen aller Schulformen mit mehr als 8000 teilnehmenden muslimischen Schülerinnen und Schülern angewachsen. Zurzeit unterrichten 65 muslimische Lehrerinnen und Lehrer für muttersprachlichen Unterricht und 12 muslimische Islamwissenschaftler Islamkunde auf Deutsch. Die Lehrkräfte haben 2004 eine einjährige fachliche und didaktische Qualifizierungsmaßnahme abgeschlossen, die ihnen speziell mit Blick auf den Unterricht in diesem Fach angeboten worden ist. Die an deutschen Universitäten ausgebildeten Islamwissenschaftler, die im Schulversuch unterrichten, haben ebenfalls eine pädagogische Qualifizierung erhalten. Zur Begleitung des Schulversuchs wurde ein Beirat einberufen, der am 13. Juli 2004 erstmals getagt hat (beteiligt sind u. a. Islamrat, Zentralrat der Muslime, DITIB, VIKZ, Föderation der Aleviten, deutsche Wissenschaftler, Vertreter von Lehrer- und Elternverbände).
Die Islamkunde (früher Islamische Unterweisung) auf Deutsch ist inzwischen zu einem Stück schulischer Normalität geworden. Mit der Sicherstellung der fachlichen Standards wird dies noch untermauert. Schule leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Integration der muslimischen Bevölkerung. In dem Unterrichtsfach wird sachlich über den Islam informiert und damit ein Bild dieser Religion vermittelt, bei dem deutlich wird, dass der Islam nichts mit dem fundamentalistischen Gedankengut islamistischer Gruppen gemein haben muss. Somit dient das Unterrichtsangebot auch zur Aufklärung und als informatives Gegengewicht zu islamistischen Strömungen in Deutschland.
Für die Unterrichtsinhalte und -ziele gilt das Gleiche wie für die Islamkunde im muttersprachlichen Unterricht. Da die Unterrichtssprache Deutsch ist, können Schülerinnen und Schüler, die sich für ein solches Angebot interessieren, unabhängig von ihrer Nationalität und Herkunftssprache den Unterricht besuchen. Die Mindestschülerzahl für Lerngruppen ist zwölf.
Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das seit dem Schuljahr 1999/2000 Islamische Unterweisung auf Deutsch anbietet. Die in diesem Fach erbrachten Leistungen sind im gleichen Maße versetzungs- und abschlusswirksam wie Leistungen in katholischer oder evangelischer Religionslehre in der besuchten Schulform.
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