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Autor Thema: Drei Wege nach dem Jenseits? Frage!  (Gelesen 2724 mal)
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FrageBold
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« am: September 12, 2008, 16:33:12 »

Slm an alle Brüder und Schwestern!

Zu aller erst möchte ich ganz ausdrücklich sagen, dass ich mit dieser Frage keinerlei Fitna oder Streit verursachen will, viel mehr geht es mir darum mein Gewissen irgendwie zu besänftigen und eine Antwort auf meine Frage zu finden.

Ich habe ehrlich gesagt bisher nur ein sehr oberflächliches Wissen über die Risale-i Nur gehabt, aber das was ich gelesen hat, hat mich so ziemlich immer sehr begeistert und großen Eindruck bei mir hinterlassen.. Nun hab ich aber von etwas gehört, was mich irgendwie ins Wanken gebracht hat.. und zwar:

Zitat
Erster Weg: Für die Leute des Glaubens ist das Grab ein Tor zu einer anderen Welt, die noch schöner ist als diese Welt.

Zweiter Weg: Denjenigen, die zwar bestätigen, dass es ein Jenseits gibt, jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt und auf sich allein gestellt sind. Dieser Sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen, weil sie sich nicht ihrer Überzeugung und ihrem Glauben entsprechend verhalten haben.

Dritter Weg: Für die Leute des Unglaubens und Irrweges, die an das Jenseits nicht glauben, ist es ein Tor zu Verlust und Verlorenheit auf ewig, es ist ein Galgen, an dem sowohl sie selbst als auch all ihre Geliebten aufgehängt werden. Da sie es nur in dieser Weise kennen, werden sie es als Antwort genauso erleben, wie sie es angenommen und geglaubt haben.

hier sagt Said Nursi ja, dass es nicht nur die Hölle und das Paradies, sonder eben diesen zweiten Weg gibt.. Und das habe ich zuvor noch nie gehört, weder im Qur'an, noch aus Hadithen, noch aus dem Mund irgendeines Gelehrten oder so etwas.. Ja und da wollte ich halt fragen, was es damit auf sich hat und worauf sich das bezieht? Oder vielleicht versteh ichs auch falsch? Gibt es irgendwelche Ayats oder Hadithe auf denen dieses Denken beruht??

Und ich bitte nochmal di eFrage nicht falsch zu verstehen, das soll nun kein "Said Nursi Bida" bla bla gerede sein , keine Kritik und keiN Vorwurf oder sonst was. Ich hab nur davon gehört und es hat mich in einer gewissen Weise zum Zweifeln gebracht, darum hoffe ich, dass ich hier eine Antwort auf diese Frage finde wodurch ich mich wieder beruhigen kann!

Slm wr wb

Ahmed Mustafa
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« Antworten #1 am: September 12, 2008, 19:49:43 »

Salam Lieber Bruder Mustafa,

mach Dir keine Sorgen, es gibt keine schlechten oder dummen Fragen sondern nur schlechte oder dumme Antworten...
Zwinkernd

Also nicht das ich die Antwort auf deine Frage kennen würde, ich habe mir einfach mal meine eigenen Gedanken zu dieser Textstelle gemacht:

Ich denke das Said Nursi hier in erster Linie schildert WIE diese Personen vom Standpunkt dieses Lebens aus auf das Grab schauen und was es für sie im Diesseits symbolisiert.

Nehmen wir z.B. den ersten Fall:

Was ist das Grab für einen jenseitsgläubigen rechtschaffenen Muslim?
Ein Tor zu einer Welt in der er mit seinem Geliebten Schöpfer und all seinen rechtschaffenen Geschwistern und Freunden zusammen sein wird. Dementsprechend ist es für ihn wie ein Feierabend nach einem harten Arbeitstag oder wie der Beginn der Ferien nach der Schulzeit und dem Abschluss aller Prüfungen.
Dies ist die Bedeutung des Grabes für die Menschen solcher Art.

Fall Nummer Zwei:

Sie wissen um das Jenseits und um ein Leben nach dem Tod. Auch kennen sie die Konsequenzen für ihre Taten, denn es heisst ja das sie nicht ihrem Glauben entsprechend gelebt haben. Da sie all dies wissen was auch die Person aus Fall Nummer 1 weiss, aber nicht danach gelebt haben, bedeutet das Grab für sie die "Bestrafung" für ihre Taten. Stellen wir uns einen Schüler vor der nicht gelernt hat und alle Prüfungen mit einer 6 bestanden hat. Was bedeutet das Ende des Schuljahres für ihn? Ferien? Nein, es ist die Trennung von all seinen Freunden und dementsprechend blickt er darauf.
Noch konkreter: Er weiss ja das es eine Hölle gibt und stellt sich nun vor das er durch das Grab an diesen Ort geht um ewig getrennt zu sein von seinen Freunden und Geliebten in dieser Welt.
Noch viel tragischer ist, das er sich selber wahrscheinlich keine Hoffnung mehr auf die Gnade Allahs macht. Er kann sich nicht vorstellen das Allah ihm vergeben würde, ja vielleicht kann er sich ja selbst nicht einmal vergeben... So verschliesst er sich selber noch vor Allahs Urteil seiner Gnade, wie derjenige der sich von der Sonne wegdreht, und sie nun nicht mehr sieht, obwohl sie doch eigentlich auch auf ihn scheint...
Allahu alam...

Fall Nummer 3:

Die Menschen die weder Gott noch Jenseits kennen bzw. daran glauben, sehen im Grab das Ende allen dessens wofür sie gelebt und was sie geliebt haben.
Also ein riesiger Galgen...

Schlussendlich wird wahrscheinlich jeder dieser 3 Personen am Ende auch das erfahren, was das Grab für sie schon in dieser Welt bedeutet hat und wie sie sich dementsprechend darauf vorbereitet (oder eben nicht darauf vorbereitet) haben, wenn sie den oben genannten Kriterien entsprechen, wallahu alam...

Nun ungefähr so verstehe ich diese Aussagen, ohne sagen zu wollen dass man sie so verstehen müsste.
Vielleicht haben ja die anderen Geschwister noch andere Eindrücke dazu...

Mögen wir inschallah zur ersten Gruppe gehören!!!

Salam:
Abbas
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FrageBold
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« Antworten #2 am: September 13, 2008, 00:09:03 »

Slm Abbas!

Vielen Vielen Dank schonmal für deine Antwort, die mehr sehr gefallen hat, möge Allah es dir vergelten. So wie du es mir erklärst, erscheint es sehr plausibel, und ich habe diese Stelle vllt nur falsch verstanden / falsch betrachtet.

Für mich hieß das anfangs, dass es nach dem Leben tatsächlich eine Art Einzelhaft / Kerker gibt für einen der die Shahada im Herzen hat aber nicht praktiziert hat.. Und das hat mich eben ins Zweifeln gebracht, da der Prophet sws so etwas ja erwähnt hätte wenn es das gäbe, bzw der Koran davon sprechen würde..

Aber wenn es so ist wie du es siehst, also dass es hier nicht um eine tatsächliche Einzelhaft nach dem Leben im Diesseits geht, sondern nur um die "Art der Perspektive" wie ein Mensch, der zwar glaubt aber nicht danach handelt, das Jenseits betrachtet, klingt das alles sehr plausibel Smiley

Also ich kann auf alle Fälle etwas ruhiger schlafen heute als ich es vorhin noch vermutet habe, hehe, aber wäre trotzdem schön wenn vllt. andere auch noch etwas dazu sagen könnten! Danke!

Slm wr wb

A. M.

Zitat
Mögen wir inschallah zur ersten Gruppe gehören!

Amin!
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Abbas
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« Antworten #3 am: September 13, 2008, 02:04:00 »

Salam Mustafa,

es freut mich daß ich dir ein wenig weiterhelfen konnte!
Smiley

Diese Stelle hat mir früher übrigens auch etwas Kopfzerbrechen bereitet, bis ich sie richtig verstanden hatte.
(Oder zumindest glaube sie richtig zu verstehen)
Smiley

Der Knackpunkt ist ja, wenn überhaupt der folgende Satz, denn die anderen beiden Gruppen (Gläubige und Nichtgläubige) sind ja eindeutig im Einklang mit dem was wir so aus Quran und Sunnah kennen zuzuordnen:

"Denjenigen, die zwar bestätigen, dass es ein Jenseits gibt, jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt und auf sich allein gestellt sind."

Das Problem ist das man beim ersten Lesen denkt, der Autor meint das Grab mit der ewigen Einzelhaft.
Das wäre ja dann ein Wiederspruch zur Auferstehung und so weiter und sofort, wo das Grab ja nur eine Zwischenstation ist und nicht die Final Destination.

Aber beim zweiten Lesen erkennt man dann das er sagt: "ist ES ein TOR zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft".
Dieses "ES" in diesem Satz ist das Grab (TOR). Das heisst sie gehen durch dieses Tor, das Grab an einen Ort (Hölle) an dem sie für immer von allen Liebenden getrennt sind.

Die Hölle ist für diese Menschen ja wirklich ein Kerker für ewig. ("chalidina fihi abada", heisst es im Quran: " und ewig werden sie darin verweilen")
Und was die "Einzelhaft angeht, so ist das ein Hinweis darauf das du getrennt bist von allem was du liebst.
Ohne die Liebe Gottes, ohne Familie, Liebende, Freunde usw.
Es gibt Hadithe die besagen das das Feuer der Hölle ohne Licht brennt.

Schlimmer und einsamer geht es eigentlich nicht...

Der Autor gibt das sozusagen in der Sprache der Jugendlichen seiner Zeit mit dem gleichnisshaften Wort Einzelhaft wieder. (Ist diese Abhandlung nicht sogar im Wegweiser für die Jugend enthalten und schrieb er nicht viele Abhandlungen im Gefängnis und auch für seine Gefangenen Mitbrüder...)

So gesehen hat er damit eigentlich den Nagel mal wieder genau auf den Kopf getroffen um es mit den Worten der heutigen Zeit zu formulieren...
Zwinkernd

Einen gesegneten Ramadan uns allen:
Abbas
Smiley


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Sema
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« Antworten #4 am: September 13, 2008, 13:23:13 »

Selamualeykum liebe Geschwister

Ich kann mich Bruder Abbas in seiner Auslegung dieses Partes nur anschließen, auch ich verstehe ihn so. So wie man das Grab ansieht, so arbeitet man ja auch dafür. Und es gibt halt nur diese einen "drei Reisemöglichkeiten", "drei Wege" die ins Grab führen. Wenn ich überzeugt davon bin, dass die Türkei ein schönes Land ist, wo Familienangehörige auf mich warten, wo ich Freude und ein beglückendes Wiedersehen erfahren werde, so werde ich auch versuchen so schnell wie möglich und auf kürzestem Wege und schon mit Vorfreude im Herzen dorthinzukommen. (Nur als ein minimaler Vergleich zu verstehen, ich will hier keine Nationalismus-Propaganda machen  Smiley )
Wie von Bruder Abbas schon erwähnt,ist dieser Auszug in den Wegweisern für die Jugend zu finden, eigentlich ist es der 2. Kapitel des 13. Wortes. Die Adressaten sind vordergründig Jugendliche, die zu Said Nursi kommen und "einige Takte" hören wollen bezüglich ihres diesseitigen Lebens und der Bewahrung ihres Glaubens in einer Zeit der "Verlockungen und Fitna, der Irrwege". Und einflussreiche und Früchte tragende "Takte" kann man in Form von Mahnungen oder Belohnungen äußern, Mahnungen- der Tod also- sind für uns Jugendlich aber erfolgreicher, bei Kindern ist es pädagogischer mit dem Paradies zu argumentieren...

Wie oben schon ausgelegt, geht es hier um den Jenseitsglauben und je nach Sichtweise und Perspektive (und den darauf erfolgenden Taten oder auch "Untaten") wird man auch im Grabe behandelt werden.

"Dieser Sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen", oder auch:
"Da sie es nur in diese Weise kennen (d.h. das Grab als einen Kerker der Trennung oder als ein Galgen der ewigen Verlorenheit), werden sie es als Antwort genauso erleben, wie es angenommen und geglaubt wurde."
Es gibt ja auch einen Hadis-i quutsi welches ~ besagt: "So wie Mich Mein Diener sieht und kennt, so wird er auch von Mir behandelt werden"

Zum zweiten Weg möchte ich noch anmerken: es betrifft ja Muslime, die in Ausschreitungen leben und
sich nicht an die Gesetze Allahs halten. Dieser Weg ins Grab ist meines Erachtens der schwierigste und "gewissensätzendste" Weg, da man im Endeffekt ja weiss oder vermutet, dass es ein Leben und eine Abrechnung nach dem Tod geben wird. Und vor allem sind Sünden auch mit diesseitigen Schmerzen verbunden-sie fügen einem Muslim Schmerzen und innere, psychische Wunden zu und  nur Gottvergessenheit, gaflet kann etwas "schmerzensstillend" sein, natürlich nur vorübergehend um dann einen mit voller Wucht zu rammen.

Mögen wir insaallah die Sichtweise der Leute des ersten Weges haben, sodass uns auch solch eine schöne Behandlung widerfahren kann..
Auch von mir: einen gesegneten Ramadan an alle- sind ja nur noch zwei Wochen übrig  Smiley
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